Stimmen aus den Einkaufsverbänden
Gradmesser NRW – So lief der Neustart für den Möbelhandel
In Nordrhein-Westfalen durfte der Möbelhandel in dieser Woche wieder öffnen. Die Hoffnungen auf einen Run auf die Möbelhäuser war insofern vorhanden, als dass die Verbraucher sich in den vergangenen Wochen
In Nordrhein-Westfalen durfte der Möbelhandel in dieser Woche wieder öffnen. Die Hoffnungen auf einen Run auf die Möbelhäuser war insofern vorhanden, als dass die Verbraucher sich in den vergangenen Wochen intensiv mit Einrichtungsdefiziten in ihren eigenen vier Wänden beschäftigen konnten. Die „möbel kultur“ hat bei den Einkaufsverbänden nachgefragt, wie die ersten fünf Tage verlaufen sind. Allgemein lässt sich sagen: Auch wenn die Frequenz wohl nur bei Ikea außergewöhnlich war, stimmte die Abschöpfungsquote im bevölkerungsreichsten Bundesland zufrieden.
VME-Geschäftsführer Frank Stratmann hat sich in vielen Gesprächen mit den Gesellschaftern in NRW bereits ein Bild gemacht: „Die Umsätze des ersten Öffnungstages waren allgemein gut. Die Frequenz war zwar nicht besonders hoch, doch die Kunden haben dafür verhältnismäßig viel Geld ausgegeben. Dies scheint eindeutig auf den Öffnungsvorteil von NRW zurückzuführen zu sein, da auffällig viele Kunden aus größeren Entfernungen angereist waren. Des Weiteren hieß es in einem Statement, dass die Warengruppe Küche besonders gut gelaufen ist, dagegen Gartenmöbel-Umsätze eher unauffällig waren.“
Aus einer ebenfalls in Nordrhein-Westfalen ansässigen Verbandszentrale hieß es in anonymer Form: „Von den wenigen Häusern hörte ich, dass der Montag und Dienstag ganz ordentlich waren. Erheblich geringere Frequenz; aber von 100 Kunden kauften auch 95. Ab Mittwoch war es dann eher so, wie es im ‚Hochsommer‘ ist.“
„Der Start war in der Regel noch eher verhalten“, sagt Alliance-Geschäftsführer Joachim Bringewald. Er ist gespannt, ob das Thema Möbel jetzt an Bedeutung gewinnt, da die Kunden so viel Zeit zuhause verbringen oder ob die Kunden aufgrund der unsicheren Lage, Kurzarbeit etc. sich doch eher zurückhalten. Sein Geschäftsführungs-Kollege Thomas Eck ergänzt, dass sich jetzt bereits gezeigt habe, dass die Unternehmen, die auch während des Lockdowns nicht untätig waren, nun bereits z. B. telefonisch vorbereitete Kaufvorhaben zum Abschluss bringen konnten. „Die Coronoakrise hat zudem zu einem Digitalisierungsschub geführt. Die Händler werden jetzt immer sicherer im Umgang mit den neuen Techniken“, so Thomas Eck.
Auch GfM-Trend-Geschäftsführer Joachim Herrmann äußert sich zur Performance der ersten Woche nach dem Lockdown und geht dabei auch auf eine ganz neue Herausforderung ein: „Die Zentrale hat versucht, Masken für die Mitglieder zu besorgen, was sich sehr schwierig darstellte. Nun konnten wir einen Deal mit Femira machen, die uns kurzfristig 10.000 Masken liefern. Die Ware kommt am kommenden Montag in der Zentrale in Neustadt an und wird dann zügig, also ab Dienstag bei den Anschlusshäusern ankommen.“ Was die Umsätze angeht, habe GfM-Trend im ersten Quartal sogar noch ein leichtes Plus erzielen können, weil der Jahresstart gelungen war und auch im März überwiegend noch ausgeliefert worden sei. Allerdings rechnet Joachim Herrmann mit einer Delle durch die Schließung der Häuser, die sich nun zeitversetzt auswirken wird. Prospekte und Journale werden derzeit nicht gedruckt, weil sie im Moment nicht gebraucht werden.
Dass ein Händler die Kunden um Zurückhaltung bitten musste, galt aber wohl nur für einige Ikea-Häuser: „Wir wissen, dass viele Kunden auf die Wiedereröffnung unserer Einrichtungshäuser gewartet haben. Um einen Ansturm zu Beginn möglichst zu vermeiden, bitten wir darum, die ersten Tage nach der Öffnung zurückhaltend zu nutzen“, so Ikeas Country Retail Manager Dennis Balslev. Kunden wurden gebeten, alleine oder mit maximal einer Begleitperson zum Einrichtungshaus zu kommen. Ein Video aus Kamen kurz vor der Eröffnung des Eirichtungshauses zeigte in der Tat eine hunderte Meter lange Schlange Warteschlange, in der der Sicherheitsabstand korrekt eingehalten wurde.
Nun schauen alle gebannt auf das Wochenende, da Freitag und Samstag ja in der Regel die besten Tage sind. Der EMV wird dementsprechend Anfang kommender Woche ein Feedback liefern.
VME-Geschäftsführer Frank Stratmann appelliert nach den Erfahrungen dieser Woche an die Politik, NRW zum Maßstab zu deklarieren: „Unsere Händler setzen alles daran, die Hygienevorschriften in vorbildlicher Manier umzusetzen, zumal es höchste Zeit wird, dass sich alle Bundesländer der NRW Regelung anschließen!“

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