Dr. Lucas Heumann

Geschäftsmodelle überprüfen und neu justieren

Die „möbel kultur“ hat Experten und Interessenvertreter nach ihren persönlichen Prognosen für das Jahr 2019 gefragt. Dazu äußert sich Dr. Lucas Heumann, VHK-Geschäftsführer, wie folgt:

Das Jahr 2018 wird sicher nicht als ein besonders erfreuliches in die Geschichte der deutschen Möbelindustrie eingehen. Nach einem sehr guten ersten Quartal ist die Konjunktur im Laufe des Jahres regelrecht eingebrochen. Insbesondere in der zweiten Jahreshälfte mussten wir eine deutliche Kaufzurückhaltung der Verbraucher feststellen, und zwar nicht nur im Inland, sondern auch bezogen auf ausländische Märkte. Damit konnte auch der gegenseitige Kompensationseffekt nicht eintreten, von dem die deutsche Möbelindustrie über viele Jahre profitieren konnte – wenn nämlich wachsende Umsätze im Ausland wirtschaftliche Schwierigkeiten des Inlandgeschäfts ausgeglichen haben, oder eben umgekehrt.

Welche Rückschlüsse lassen sich aus dem vergangenen Jahr für 2019 ziehen? Die Fachverbände der Möbelindustrie in Herford erwarten eine leicht negative Entwicklung im ersten Quartal. Grund ist der überdurchschnittlich gute Verlauf des ersten Quartals des Vorjahres, was einen Zuwachs „per se“ erschwert. Und es fehlen insbesondere Impulse aus wichtigen Auslandsmärkten. In Großbritannien zeigen sich jetzt deutlich die Auswirkungen des Brexits in Form von Verunsicherung und Kaufzurückhaltung bei Verbrauchern. Der amerikanische sowie der chinesische Markt leiden unter dem Handelskrieg zwischen den USA und China.

Optimistischer sind wir jedoch für die Entwicklung des zweiten Halbjahres 2019. Hier gehen wir davon aus, dass die schon jetzt am Markt sichtbaren Innovationen der Branche sich durchsetzen und zu steigenden Kaufaktivitäten der Verbraucher führen werden. Insgesamt erwarten wir für das gesamte Jahr 2019 einen leichten Umsatzzuwachs im unteren einstelligen Bereich.

Auf eines möchten wir zum Abschluss hinweisen: Die Schwäche des inländischen Marktes ist nach unserer Auffassung in erster Linie eine Schwäche der Großfläche. Das Vermarktungskonzept der Großfläche, das ausschließlich auf Preise und Rabatte setzt, sind zu Zeiten sinkender Arbeitslosigkeit, steigender Löhne und wachsenden Wohlstands völlig ungeeignet, den Verbraucher zu einem wachsenden Konsum zu bewegen. Sichtbar wird dies im Küchenmöbelsektor, wo die Großfläche mit einem leistungsfähigen Fachhandel im Wettbewerb steht. Es liegen keine exakten statistischen Zahlen vor – dennoch ist am Markt bekannt, dass der Fachhandel sich deutlich besser entwickelt hat als die Großfläche. Die Gründe sind eindeutig: Im Fachhandel liegt zwar der Durchschnittspreis von Küchen deutlich höher als in der Großfläche, dafür bietet der Fachhandel aber eine kompetente Beratung und hohe Serviceleistungen. Dies sind Grundanforderungen an einen leistungsfähigen Handel, die der mündige Verbraucher erwartet. Und dafür auch sein Geld ausgibt. Wir empfehlen der Großfläche daher dringend, im Licht dieser Erkenntnisse ihr eigenes Geschäftsmodell zu überprüfen und neu zu justieren.

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