2016 findet die M.O.W. vom 18. bis 22. September statt.

M.O.W.-Fazit

Ganz viel im Umbruch in der Mitte des Marktes

Die M.O.W. schreibt so viele Geschichten wie es Aussteller in Bad Salzuflen gibt. Doch am Ende läuft alles auf eine große Erzählung hinaus – die Branche im Umbruch. Pünktlich zum Messestart verfestigten sich die Gerüchte um Möbel Mahler und die Lutz-Gruppe. Die Konzentration in der Handelslandschaft nimmt weiter zu. Insbesondere für die Kasten- und Polstermöbler, die auf große Mengen ausgerichtet sind, ist die schrumpfende Anzahl von Großabnehmern ein gravierendes Problem. Wer mit Lutz, Höffner, Begros, Otto und Home24 im Geschäft ist, deckt einen nicht unerheblichen Teil des deutschen Marktes ab. Trendteam, MCA, IMS und andere sind deshalb dazu gezwungen, neue Absatzregionen zu erschließen – und die liegen zunächst im angrenzenden Ausland. Dass der Grad der Internationalität bereits bei 30 Prozent liegt, spricht für die M.O.W. als Plattform zum Neukundenaufbau.

Für die reinen Importeure ziehen dunkle Wolken am Horizont auf, denn leistungsfähige Osteuropäer von Jelinek bis Stolline versuchen nun häufiger den direkten Marktzutritt zu bekommen. Warum noch auf den Großhandel bauen, wenn es auch auf direktem Wege funktioniert? Meble Vox ist dafür das beste Beispiel. Angetrieben wird diese Entwicklung durch die Einkaufsabteilungen der großen Filialisten und den dominierenden Onlineanbietern, die sich vom Baltikum bis nach Rumänien auf den Weg machen, um vor Ort zu verhandeln und sogar Eigenmarken zu entwickeln. Der „wilde Osten“ ist mittlerweile Geschichte. Nur jene Importeure, die in der Modellentwicklung den Osteuropäern um mindestens einen Schritt voraus sind und den Geschmack der deutschen Konsumenten besser zu interpretieren verstehen, werden deshalb eine Zukunft haben. Dazu gehören die Trüffelsucher wie Stefan Finzel, dem es auf jeder Messe gelingt, noch eins draufzusetzen und immer wieder neue, leistungsfähige Lieferanten in ganz Europa auftut. Der Preiseinstieg wird durch Finori schicker und qualitativ immer hochwertiger.

In der Mitte des Marktes war festzustellen, dass sich einige Marken wieder berappelt haben. Tvilum zeigte ansprechende Programme sowie eine neue Oberflächenvielfalt. Und, dass Innovation sich so stylisch präsentiert hat, tut den JuWo- und Mitnahme-Flächen im Handel sicher gut. Wellemöbel musste sich bekanntermaßen in den vergangenen Monaten erstmal schütteln und präsentierte dennoch im Schlafzimmersegment einige stimmige Neuentwicklungen. Maja legte im Segment Medienmöbel unterhalb von Spectral nochmals nach und hat sich in den vergangenen Jahren hier und im Bereich Home Office etabliert. Diese Entwicklung soll unter dem neuen Geschäftsführer Markus Witte fortgeführt werden. Inwiefern es Wolf Möbel gelingt, sich als Marke zu etablieren, bleibt abzuwarten. Dabei ist dem Flächenkonzept unter dem Namen von Star-Friseur Shan Ramikhan nur zu wünschen, dass es vom Handel eine Chance bekommt, sich zu bewähren. Denn das gesamte Paket macht Lust aufs Einrichten.

Überhaupt gab es auf dieser M.O.W. tolle Entdeckungen zu machen wie beispielsweise das Magnet-Möbel von Tavar, das bei unterschiedlichsten Handelsformaten für Aufmerksamkeit sorgte. Auch die Modulpolster von Feydom sollten von Handelsseite mehr Unterstützung erhalten. Und wenn das skandinavische Label Hans K in Deutschland keinen Vertriebspartner findet, müsste es schon mit dem Teufel zugehen.

Die Polsterhallen in Bad Salzuflen mit Ankermietern wie Ada, Steinhoff oder Natuzzi sind inzwischen eine Klasse für sich. Sehenswert waren auch die Auftritte von Easysofa, Primavera und vor allem Het Anker. Benformato trumpfte mit der neuen Lederedition groß auf. Bei Gala Collezione war indes ein bekanntes Gesicht zu sehen: Ex-Steinhoff-Frontmann Andreas Bogdanski will das Geschäft bei dem polnischen Polsterspezialisten weiter voranbringen.

Über sämtliche Sortimentsgruppen hinweg war in allen Preisklassen ein deutliches Trading-up zu spüren. Auch im Preiseinstieg werden Nachlässigkeiten nicht mehr verziehen. Schubladen-Einlegeböden, die nicht Ton in Ton sind, gehören der Vergangenheit an. Funktionen werden auch im untersten Polstermöbelsegment vorausgesetzt. Die Auslese ist gnadenlos. Das zeigte sich ganz deutlich auf der M.O.W., auf der 400 Möbelhersteller miteinander im direkten Wettbewerb standen.

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