Sebastian Deppe

"Frequenz schaffen und Rendite maximieren"

Die „möbel kultur“ hat Experten und Interessenvertreter nach ihren persönlichen Prognosen für das Jahr 2019 gefragt. Dazu äußert sich Sebastian Deppe, Mitglied der BBE-Geschäftsführung, wie folgt:

Ein turbulentes Jahr ist vorbei. Nach dem fast schon gewohnt guten Start, war der Sommer für den Möbelhandel geradezu katastrophal. Natürlich sind hohe, sommerliche Temperaturen kein „Möbel-Wetter“. Aber die Ursachen liegen tiefer und sind lediglich durch das Wetter verschärft worden. Denn auch das dritte und vierte Quartal haben nicht den Schub durch Nachholbedarf erlebt. Aus meiner Sicht ist der Peak im stationären Möbelhandel erreicht und es sieht aktuell so aus, dass es auch in den nächsten Jahren Rückgänge zu verzeichnen sein werden. Wachstum wird es wohl nur im Bereich Onlinehandel geben. Hier haben insbesondere die Möbelhändler aufgeholt und die Pure Player, die ja durch eigene Stores schon länger nicht mehr „pure“ sind, in der Dynamik überholt. 

Wir werden uns mit weiteren Frequenzrückgängen im stationären Möbelhandel auseinandersetzen müssen. Im Vergleich zu anderen Handelsbranchen ist der Möbelhandel in Sachen Digitalwerbung rückständig. In einer Befragung von 15 mittelständischen Wohnkaufhäusern war der durchschnittliche Anteil der Digitalwerbung am gesamten Werbebudget bei unter fünf Prozent, während das EHI jüngst von einem durchschnittlichen Anteil von 25 Prozent im deutschen Handel sprach. Daran sind auch die Verbundgruppen schuld, die zu lange an Bewährtem festgehalten haben und denen in der Vergangenheit oft der Mut fehlte. Hier sind mehr denn je Lösungen gefragt. 

Die Digitalisierung bietet gerade für den Möbelhandel große Potenziale. Es gilt diese Möglichkeiten auch jenseits des reinen Onlineshops geschickt zu nutzen, um die Kundenorientierung und damit die Abschöpfungsquoten zu verbessern. Gerade bei abnehmender Frequenz ist dies überlebenswichtig. Um die nötigen Investitionen zu ermöglichen, ist letztlich Renditemaximierung nötig. Hier sind die Ansätze sehr unterschiedlich. Die Verhandlung von besseren Einkaufskonditionen ist in Zukunft kein alleiniges Mittel mehr. 

Die großen Herausforderungen 2019 sind somit Frequenzschaffung und -abschöpfung sowie Renditemaximierung. Hier sind konkrete Strategien nötig. Das große Thema für die Branche wird aber die weitere Konzentration sein. Neben dem Handel sind nun besonders die Verbundgruppen in den Fokus gerückt. Insbesondere dürfen wir auf die Untersuchung des Kartellamtes gespannt sein, deren Ausgang heute noch offen scheint. Ich muss zugeben, dass ich den doch sehr klaren Blick der Verantwortlichen auf die Möbelbranche nicht unbedingt erwartet hatte. Unabhängig davon, wie das Kartellamt am Ende in den konkreten Fällen entscheidet: Die Strategie „Weiter so“ wird wohl keine adäquate Wahl mehr sein.

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