Schieder
“Fortführungschancen für eine Vielzahl der Unternehmen”
Gestern fand in Räumen des Amtsgerichts Detmold die erste Gläubigerversammlung der Schieder Holding statt. Zahlreiche Gläubiger vertreter aus dem In- und Ausland waren angereist – die gemeinsam Forderungen in Höhe
Gestern fand in Räumen des Amtsgerichts Detmold die erste Gläubigerversammlung der Schieder Holding statt. Zahlreiche Gläubiger vertreter aus dem In- und Ausland waren angereist – die gemeinsam Forderungen in Höhe von 450 Mio. Euro vertraten.
Insolvenzverwalter Sven-Holger Undritz (White & Case, Hamburg) präsentierte den ersten Bericht zur wirtschaftlichen Lage der Schieder Möbel Holding und deren Ursachen. Die Auflistung der Gründe für die Krise war dabei sehr umfangreich. Erstens: Fehlleistungen des Managements, zweitens: die schwerfällige, marktferne Konzernstruktur, die ein schnelles Reagieren nicht mehr ermöglichte, drittens: eine wenig konsistente Führung von Modellen und Marken und viertens: die wenig ausgeprägte Pflege der Unternehmensidentität der Gruppe. Außerdem sei beim Endverbraucher kaum bekannt gewesen, dass Schieder bis zum Zeitpunkt der Insolvenz der größte Möbelhersteller Europas war.
Schließlich wies Undritz auf die Finanzierungsstruktur der Gruppe hin, welche den Ausbruch der Krise nur kurzfristig aufgeschoben habe: "Wer sich in der Champions League finanziert, muss auch sein Geschäft in der gleichen Leistungsklasse führen." Das sei aber wohl nicht der Fall gewesen. Entsprechend stellte Undritz klar, dass die Gläubiger mit unbesicherten Forderungen "nur mit der Befriedigung eines Bruchteils ihrer Ansprüche rechnen können". Im Anschluss an die Präsentation wählte die Gläubigerversammlung Sven-Holger Undritz einstimmig zum Insolvenzverwalter und einen Gläubigerausschuss mit fünf Mitgliedern.
Einig waren sich die Gläubiger darin, dass es jetzt wesentlich darauf ankomme, zu welchen Konditionen die werthaltigen Vermögensteile der Holding veräußert werden können. Nach ersten kleineren Sanierungserfolgen in der Gruppe stünden jetzt größere Transaktionen an. Top-Priorität habe der Verkauf der Beteiligungen IMS in Bendern, Liechtenstein und SEH in Burgkirchen, Oberösterreich. Beide Gruppen beschäftigen etwa 3.500 Mitarbeiter und seien für die Zukunft exzellent positioniert. Derzeit werde noch mit fünf Interessenten verhandelt.
Laut Undritz wird erwartet, dass Gläubigerausschuss und Insolvenzverwaltung in der kommenden Woche die endgültige Entscheidung über den Zuschlag treffen. Gespräche mit zahlreichen Investoren verliefen erfolgversprechend und befänden sich in einer sehr fortgeschrittenen Phase. Überdies habe sich gezeigt, dass die Insolvenz innerhalb der Gruppe eine Vielzahl unerwarteter unternehmerischer Initiativen freigelegt habe, welche schon heute absehbar in kreative Fortführungslösungen ausmünden dürften. "Wir sind überzeugt, dass ein sehr wesentlicher Teil der unternehmerischen Aktivitäten in neuen Konstellationen in Deutschland und Polen erhalten werden kann, wenn auch nicht mehr unter dem Dach der Schieder Gruppe", erklärt Sven-Holger Undritz. Die Insolvenz sei auch eine Chance für einen nachhaltigen Neuanfang zu verstehen.

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Sie haben noch kein Konto?
Jetzt registrieren