Felix Edzard, Geschäftfsführer von Edzard Lifestyle, hat mit Preissteigerungen insbesondere in der Materialveredelung zu kämpfen.

Lieferketten im Stress - Interview V

Felix Edzard: "Speziell in China muss man sich jetzt eindecken"

Die Auswirkungen der Pandemie haben die Lieferketten gesprengt. Die Konsumgüterbranche ist mit einem hohen Import-Anteil und großen Order-Volumina davon besonders getroffen. Dass es sich dabei nur um eine Momentaufnahme handelt, glaubt keiner der Top-Unternehmer, die wir um ihre Einschätzung für 2022 gebeten haben. Im fünften Interview der siebenteiligen Serie berichtet Felix Edzard, Geschäftsführer von Edzard Lifestyle, warum er das Spektrum der Einkaufsländer vergrößert und sich dennoch jetzt mir frischer Ware in China eindeckt.

P&G: Herr Edzard, was ist im Sourcing aktuell die größte Herausforderung?

Felix Edzard: Die Ungewissheit über die Entwicklung der Lage: Wie lange dauert die Pandemie noch und was kommt danach? Kommt dann der zweite Frühling? Bleibt der Onlineboom? Kommt eine Tourismus-Hausse und wandern die Budgets dann vom Home-Sektor wieder ab?

P&G: Wie hoch sind die Containerkosten? Und wann rechnen Sie mit einer Beruhigung?

Felix Edzard: Wir haben gerade 17.800 US-Dollar für einen 40'-Container von China mit der Bahn nach Deutschland bezahlt. Ein 40'-Container von China nach Deutschland kostete in den vergangenen Jahren etwa 2.000 US-Dollar, derzeit liegen die Preise beim 8-fachen. Ich rechne mit einer Entspannung ca. 1 bis 2 Monate nach Chinese New Year, also im April oder Mai.

P&G: Wie stark sind die Einkaufspreise gestiegen?

Felix Edzard: Die steigen derzeit bei uns um ca. 13 Prozent.

P&G: Welche Artikel sind besonders problematisch?

Felix Edzard: Versilberte Produkte steigen bei uns um 20 bis 30 Prozent. China ist dabei problematischer als Indien. Der Preisanstieg kiegt bei unseren Produkten größtenteils in der Veredelung und ist weniger auf einen bestimmten Rohstoff bezogen.

P&G: Lässt sich aktuell überhaupt solide sourcen?

Felix Edzard: Ja, speziell in China muss man sich jetzt eindecken. Wer weiß, wann es wieder keinen Strom gibt, denn das war zuletzt immer häufiger der Fall. Wer jetzt kauft, kann in meinen Augen mit entspannteren Raten für die Verschiffung rechnen.

P&G: Gibt es Unterschiede nach Ländern?

Felix Edzard: Sehr große. Die Frachtraten in Indien sind längst nicht so stark gestiegen. China hat die Produktionskapazitäten reduziert, weil der Strom rationiert wird. Polen und Tschechien sind aktuell sehr überlaufen und haben kaum Produktionskapazitäten.

P&G: Möchten Sie in Zukunft in anderen Regionen einkaufen?

Felix Edzard: Ja, ich halte z.B. Türkei auch für relevant. Und auch der Nahe Osten birgt Potenzial.

P&G: Was sagen die Handelspartner zu der Situation? Stellen die Händler Sortimente um?

Felix Edzard:Das glaube ich nicht, auch weil ich das für nicht so trivial halte.

P&G: Wie lautet Ihre Prognose für 2022 bezogen auf Ihre Geschäftsaktivitäten?

Felix Edzard:  Wir rechnen aufgrund des anhaltend wachsenden Onlinegeschäfts 2022 mit einem Wachstum.

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