Ikea
Ex-Manager giftet gegen Kamprads Imperium
Über 20 Jahre lang arbeitete Johan Stenebo für Ikea. Er hat ein Möbelhaus in Leeds (GB) aufgebaut und geführt, war persönlicher Assistent des Firmengründers Ingvar Kamprad, Geschäftsbereichsleiter für Aufbewahrungs-, Media-
Über 20 Jahre lang arbeitete Johan Stenebo für Ikea. Er hat ein Möbelhaus in Leeds (GB) aufgebaut und geführt, war persönlicher Assistent des Firmengründers Ingvar Kamprad, Geschäftsbereichsleiter für Aufbewahrungs-, Media- und Esszimmermöbel und zuletzt Geschäftsführer des firmeneigenen Investmentunternehmens Ikea Green Tech. Zum Jahreswechsel 2008/2009 machte er Schluss bei dem Möbelriesen. Jetzt folgt die Abrechnung. Nicht aus Gier oder Bitterkeit schreibt er, sondern "weil bestimmte Dinge im Unternehmen ihm keine Ruhe ließen." Und weiter: "Die Ikea-Sonne ist zwar schön und in vielerlei Weise großartig – aber sie hat Flecken." Sein Buch "Die Wahrheit über Ikea" handelt von diesen Flecken. Stenebo prangert insbesondere die Verschlossenheit des Konzerns an. Kein Journalist habe bisher die "blau-gelbe Fassade" durchdrungen und als Mitarbeiter sei man zum Schweigen verdammt. Ikea setze alles daran, in Naturschutz- und Sozialfragen als vorbildlich zu erscheinen. Investitionen in Umweltprojekte würden allerdings verschleiern, dass der Holzhunger des Unternehmens auch vor illegal geschlagenen Bäumen nicht haltgemacht habe. Stenebo spricht in diesem Zusammenhang sogar von einem "Großteil der Rohstoffe", bei denen es nicht mit rechten Dingen zugehen soll. Anders seien die günstigen Verkaufspreise nicht zu erklären.
Das freundlich-skandinavische Duzen im Konzern und gegenüber den Kunden täusche ein allzeit faires Miteinander vor. Auch Kamprad selbst bekommt sein Fett weg: Sein von ihm lanciertes Selbstbild als Mensch mit Schwächen (Alkoholsucht, Nazivergangenheit) sei Teil einer cleveren Selbstinszenierung. "Super gemacht. Aber es ist nicht wahr", meint Stenebo dazu.
Starker Tobak für Kamprad und sein Imperium. Dennoch bleibt die Frage, warum der Ex-Manager so hart mit den ehemaligen Seinen ins Gericht geht. Mag vielleicht Eitelkeit als Co-Autor des Buches eine tragende Rolle gespielt haben? Was an den Anschuldigungen auch immer dran ist – eine offene Diskussion über die Methoden eines global agierenden Konzerns tut der Transparenz in Umwelt- und Sozialfragen sicherlich keinen Abbruch. Denn was ist Corporate Responsibility wert, wenn sie zur bloßen Marketing-Hülle verkommt? Und das gilt nicht allein für Ikea. Ob das Image der Schweden mit dieser Buchveröffentlichung nachhaltig leidet, ist zweifelhaft. Im Laufe seiner Geschichte hat Ikea schon viel Kritik aushalten müssen – und erfolgreich weggesteckt.

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