Brexit

Endlich Sicherheit für deutsche Küchen-Exporteure

Kurz vor Ablauf der Frist konnte das Brexit-Abkommen zwischen Großbritannien und EU bekanntlich doch noch weitgehend abgeschlossen werden. Ein echtes Weihnachtsgeschenk auch für deutsche Küchenmöbelhersteller, die bis dahin nicht wussten, welche Konsequenzen gegebenenfalls ein „No Deal“ für sie gehabt hätte. Details werden aktuell noch in den Unternehmen analysiert, doch das Wichtigste ist, dass es auch nach dem Austritt aus dem EU-Binnenmarkt keine Zölle für deutsche Produkte gibt (ausgenommen sind Waren aus Drittländern). 

Die „möbel kultur“-Redaktion hat bei einigen Küchenherstellern mit starkem Exportanteil nach UK nachgehakt. Abwarten und Tee trinken ist u. a. das Motto von Andreas Wagner, Geschäftsführer bei Rotpunkt Küchen, was die Grenzabwicklung angeht: „Wir haben zum Jahresende ausgeliefert, was noch ging und mit Glück und Geschick des Fahrers alles vor Silvester bewältigt. Jetzt warten wir erst einmal ab. Die nächsten Aufträge werden nicht vor Ende Januar eingeplant. Das Wichtigste ist: Es gibt jetzt einen Deal.“

Auch Matthias Berens, Geschäftsführer bei der Baumann Group, ist froh, dass die eigene Logistik nicht in den langen Tunnel-Schlangen steckenblieb und ist optimistisch: „Alle unsere Lkws waren vor dem Jahreswechsel zurück in Löhne. Für nächste Woche haben wir aber schon wieder Touren avisiert.“ Da britische Händler jetzt eine Registrierung für die Zollabwicklung brauchen, hat das Unternehmen einen Zollbeauftragten engagiert, der diese kompetent handelt.

Für Häcker reduziert sich die Problematik durch die Tatsache, dass eine britische Tochtergesellschaft besteht und ähnlich wie bei einem Inlandsgeschäft verfahren werden kann. Außerdem verfügt die eigene Zollabteilung über die nötige Erfahrung, den jetzt erforderlichen „Papierkrieg“ für die Händler zu bewältigen. Ein Service, den die Partner sehr zu schätzen wissen. Gleichwohl bedeuten die neuen Formalitäten natürlich einen zusätzlichen Aufwand für die bürokratischen Vorbereitungen und auch bei der Grenzabwicklung. „Das muss sich alles noch einspielen, aber ich gehe davon aus, dass dies ordentlich ablaufen wird, wenn wir nächste Woche die nächsten Touren starten“, gibt sich Jörg Varnholt als zuständiger Exportleiter bei Häcker zuversichtlich. 

Unabhängig vom Papierkrieg stellen die Corona-Beschränkungen für den Warenverkehr bislang offenbar kaum Probleme dar. Lkws werden in beide Richtungen wie zuvor „durchgewunken“, wie man hört. Der Lockdown der Geschäfte wird mindestens bis Anfang Februar und wahrscheinlich länger dauern, aber bisher lief das Business rund um Auslieferung und Montage beim Kunden wie in Deutschland weiter (wie sich die aktuelle Eskalation der Pandemie auswirkt, bleibt abzuwarten).

Für die deutsche Küchenindustrie stellt Großbritannien den sechstgrößten Exportmarkt dar. Auch wenn die Corona-Pandemie 2020 einen heftigen Einbruch mit sich brachte (-22,6 % Umsatz bis September gegenüber Vorjahr), bleibt das Land für die Unternehmen ein wichtiger strategischer Markt. „Selbst wenn der Markt schwächelt, sind die Chancen für deutsche Küchen enorm“, stellt Matthias Berens nach den Erfahrungen der erst vor drei, vier Jahren verstärkten Exportaktivitäten fest. Vor allem weil der Trend immer stärker weggehe vom ursprünglichen DIY-Vertrieb hin zu geplanten Küchen, die in hochwertigen Studios verkauft werden, und es in UK kaum einheimische Hersteller gibt, rechnen sich alle gute Chancen für „made in Germany“ aus.

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