Küchenkonjunktur

Ein guter Lauf trotz Sommerloch – und versäumte Chancen in der Großfläche

Trotz verzögerter Lieferzeiten und Konjunkturschwankungen haben die Umsätze der deutschen Küchenmöbelindustrie auch 2018 einen guten Lauf: Mit einem Plus von 17,11 Prozent schloss der Juli ab, sodass für die ersten sieben Monate insgesamt 5,59 Prozent mehr gegenüber dem Vorjahreszeitraum herauskommen. Im Inland entspricht dies +3,73 Prozent, im Ausland +8,4 Prozent. Außer Schweiz, Großbritannien und USA legten dabei die zehn wichtigsten Auslandsmärkte zu. Während die Exporte mittlerweile 40 Prozent Anteil überschreiten, nehmen neuerdings auch die Importe - insbesondere aus Polen und Ungarn - deutlicher zu.

Dies gab der VdDK auf seiner Pressekonferenz am Montag im Zuge der Area30 bekannt. Zugleich wies Verbandschef Dr. Lucas Heumann allerdings darauf hin, dass mit zuverlässigen Zahlen erst wieder ab Oktober 2018 gerechnet werden kann, da die Insolvenz des Alno-Konzerns durch Verteilung der Umsätze die Statistiken extrem verzerrt hat. Eindeutig bleibe jedoch, dass die Küchenbranche innerhalb der Möbelindustrie (+1,48% bis Juli) die Sparte mit der höchsten Wachstumsrate ist. dass der heiße Sommer ein großes Loch in der vom VdDK geführten Auftragsstatistik gerissen habe. Deshalb rechnet der VdDK selbst bei einem guten Herbstgeschäft mit einem Zuwachs von „nur“ rund drei bis vier Prozent für das gesamte Küchenjahr 2018.

Zudem konstatierte Heumann: „Das Absatzproblem der deutschen Küchenmöbelindustrie im Inland ist eigentlich ein Problem der Großfläche“. Es gebe zwar keine validen Zahlen über die einzelnen Vertriebskanäle, doch sei von vielen Seiten zu hören, dass sich die großflächigen Möbelhäuser beim Küchenumsatz allgemein als wesentlich schwächer darstellen als der Küchenfachhandel. In diesem Zusammenhang richtete Heumann seinen Appell an die Protagonisten im Handel, ihr Geschäftsmodell nachhaltig zu überdenken. „Die Großfläche vermarktet über den Preis. In Zeiten der Rezession mag dies legitim sein. Aber in Zeiten einer positiven konjunkturellen Entwicklung erwartet der Verbraucher nicht nur günstige Preise, sondern vielmehr ein Paket an Dienstleistungen“, so Heumann. Das Problem sei nicht, dass der Verbraucher zu wenig Geld habe. Deshalb gelte es, Vermarktungsformen zu finden, die beim Verbraucher mehr Begierde nach neuer Technik und modernem Design wecken. Eine marginale Erscheinung bleibe im übrigen der Online-Handel, was sich wohl auch in den nächsten Jahren nicht ändern werde.

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