Workshop in Herford zum Thema "Onlinehandel mit Möbeln".

Workshop in Herford

E-Commerce - Nagelprobe für die Industrie

Die Möblverbände in Herford richten den Blick in die Zukunft. Im Rahmen eines Workshops zum Thema "Onlinehandel mit Möbeln" diskutierten die Teilnehmer über neue Vertriebswege und vor welche Herausforderungen die Industrie durch diese gestellt wird. Denn aus Lieferantensicht wirkt die Handelslandschaft immer stärker fragmentiert: "E-Marketing scheint innerhalb kurzer Zeit ein 'must have' geworden zu sein. Es gibt eine Vielzahl Unternehmensgründungen, andere Anbieter - auch bereits aus dem Internet bestens vertraute Händler - springen auf den 'E-Zug' auf", heißt es im Nachbericht zum Workshop.

Dabei gebe es - wie immer in Umbruchzeiten - "Wildwuchs, Werden und Vergehen sowie Rechtsunsicherheiten". Für eine dieser Fragen hat jetzt die Rechtssprechung eine Antwort gefunden, wie Dr. Lucas Heumann als Gastgeber zum Verbandsworkshop Anfang Dezember in seinem Einführungsvortrag feststellte: Die Möglichkeiten, Onlinehändler gezielt von der Belieferung auszuschließen, scheinen begrenzt, ja kartellrechtlich beinahe ausgeschlossen zu sein.

Referent Winfried Tietze von der gleichnamigen Unternehmensberatung aus Neuss berichtete über den "Siegeszug des Onlinehandels" und zeigte anhand harter Zahlen die Situation und Trends. Die Umsätze im stationären Handel seien volatil, im Distanzgeschäft stiegen sie jedoch. Kaum beteiligt daran seien die Versandhäuser, allein Onlinehändler trieben die Zahlen nach oben. Ein Grund: drei Viertel aller Deutschen sind online, weltweit sind es 2,75 Mrd. Menschen und jährlich kommen 250 Mio. hinzu.

45 Mio. Deutsche (2013) nutzen Onlineportale zum elektronischen Einkauf, nur 15 Prozent der Kernzielgruppe - im Altersbereich 30 bis 70 Jahre - schließen Onlinegeschäfte explizit für sich aus. Wickelte der Distanzhandel 2012 bereits zehn Prozent aller Handelsumsätze in Deutschland ab, explodiert der Anteil jetzt offenbar.

Für die Möbelbranche werde bei vorsichtigen Annahmen ein Internet-Umsatzanteil von 20 Prozent im Jahr 2020 prognostiziert, so Tietze. Geringere Personal-, Lager-, Miet- und Vertriebskosten förderten diese Entwicklung auf Anbieterseite, die geringeren Preise, die Rundum-Verfügbarkeit, der Sortimentsumfang, eine (Frei-)Hauslieferung sowie umfassende Kommunikation zögen Endkunden ins Netz. Derzeit gebe es über 30 ausschließlich auf Möbel spezialisierte elektronische Plattformen, insgesamt tummeln sich etwa 350 Möbel-Anbieter im Internet.

Die sich anschließende Diskussion machte nicht nur den Referenten und Veranstalter deutlich, wie sehr "online" unter den Nägeln der Industrie brennt. Das Thema ist mit pro und contra umstritten, Chancen und Risiken gelte es unternehmensbezogen abzuwägen. Jedoch komme ein mögliches "Aussitzen" der Online-Herausforderungen keinem der Akteure in den Sinn. Zweifelsfrei bestehe noch längerfristig umfassender Informations- und Beratungsbedarf.

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