Hans-Joachim Tessner

Die Zukunft liegt im Discount

Pünktlich zum 50. Dienstjubiläum widmet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" Hans-Joachim Tessner ein ausführliches Portrait – mit einigen neuen Details auch für Branchenkenner. Kaum jemand drückte dem Möbelhandel so viele Stempel

Pünktlich zum 50. Dienstjubiläum widmet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" Hans-Joachim Tessner ein ausführliches Portrait – mit einigen neuen Details auch für Branchenkenner.
Kaum jemand drückte dem Möbelhandel so viele Stempel auf wie der Unternehmer aus Goslar. Bis 1985 machte er den Familienbetrieb seines Urgroßvaters Friedrich Unger zum größten Möbelfilialisten Norddeutschlands. Erst nachdem Tessner seine letzten Unger-Anteile 1987 verkauft hatte und 1992 den Chef-Posten abgab, schlitterte das Unternehmen in die Insolvenz. Noch heute betrübt es Tessner, dass es das 1875 gegründete Familienunternehmen nicht mehr gibt.
Anlass zur Freude gibt ihm aber seit 1969 ein anderes Geschäftsmodell. Damals legte Tessner mit der Idee "gute Möbel günstiger zu verkaufen" in einer kleinen Lagerhalle in Westfalen den Grundstein für eine "rollende" Erfolgsgeschichte, die noch längst nicht ihr Schlusskapitel erreicht hat.
Die knapp 100 Roller-Filialen bringen es auf rund 1 Mrd. Umsatz und kämpfen mit Poco-Domäne derzeit um die Discount-Krone. Die von Manfred Feulner, René Pflücke sowie Schwiegersohn und Vertriebschef Dr. Alexander Hirschbold geleitete Kette soll schon in den nächsten fünf bis sechs Jahren auf 150 Märkte anwachsen, denn laut Tessner liegt die Zukunft des Möbelhandels im Bereich Gut und Günstig: "Das Discount-Segment wächst stetig und macht schon 40 Prozent des Gesamtumsatzes der Möbel-Branche aus." Nach seiner Meinung werden nur große Einrichtungshäuser mit Gastronomie die Marktbereinigung überleben. Darüber hinaus muss auch das Werbe-Budget stimmen. Etwa 50 Mio. Euro steckt Roller pro Jahr in Prospekte & Co.
Auch die gesamte Gruppe befindet sich auf Erfolgskurs. Die Holding mit Sitz in Goslar umfasst die Immobiliengesellschaft Tescom, fünf Tejo-Einrichtungshäuser, die Einrichtungs-Shopping-Center Schulenburg und Klingeberg sowie zwölf Meda-Küchenfachmärkte. Im Portfolio steht außerdem eine elfprozentige Beteiligung an dem börsennotierten Saatgutkonzern KWS.
Unterm Strich erzielte die gesamte Gruppe 2009 einen Umsatz von 1,1 Mrd. Euro, davon 900 Mio. aus dem Discount-Geschäft. Das gute Ergebnis steht auf einer soliden Basis von 30 Prozent Eigenkapital.
Der 66-Jährige hat noch viel vor. Somit ist sicher: Die Zukunft des Möbelhandels wird auch weiterhin die Handschrift von Hans-Joachim Tessner tragen.