AMK/Volker Irle

„Die Welt wird nach Corona eine andere sein“

Als Branchenverband laufen bei der AMK viele Fäden zusammen – und gerade jetzt glühen die Drähte. Wir haben bei der Zentrale in Mannheim nachgehakt, wie AMK-Geschäftsführer Volker Irle den Status quo in Küchenindustrie und -handel beurteilt. Die komplette Version des Interviews lesen Sie in der „möbel kultur“ 4/2020.

Herr Irle, es wird – so hört man – vielfach noch weiter produziert, geplant, ausgeliefert und montiert. Wie stark ist die Corona-Krise in der Küchenbranche überhaupt angekommen – und wie lange wird dies so weitergehen?
Volker Irle: Hier sind zwei Sichtweisen zu unterschieden. In der Industrie hängt dies ganz stark davon ab, ob der jeweilige Hersteller seine Vorprodukte parat hat. Die andere Frage ist: Wie lange gibt es noch Kunden, die beliefert werden wollen und können, also wie sich die Auftragslage im Handel entwickelt.
Stand letzte Woche berichten mir die Handelsverbände von einem signifikanten Auftragseingang. Wobei es sich primär noch um laufende Kaufprozesse handeln dürfte und es auch darum geht, die Montage – unter bestimmten Hygiene-Bedingungen – auszuführen. Dies ist entscheidend für die Cashsituation. Die Beratung findet jetzt oft online statt.

Interessant, welche Kreativpotenziale derzeit frei werden...
Volker Irle: Gigantisch! Obwohl dies nicht überall so ist – aber es gibt eben viele, die jetzt nicht in Schockstarre verfallen, sondern die Ärmel hochkrempeln und aktiv werden.

Lässt sich wirklich alles auf digitalem Weg ersetzen? Die meisten Händler dürften darauf technisch noch gar nicht vorbereitet sein...
Volker Irle: Alles lässt sich sicher noch nicht digital ersetzen, aber der Switch in Onlinekanäle weist den Weg in die Zukunft. Das Thema Online-Beratung hat durch die Corona-Problematik sicher einen deutlichen Schub bekommen. Die neue Situation sorgt für Lerneffekte. Es werden neue Techniken eingesetzt, je nachdem wie online-affin die Kunden sind. Dies gilt übrigens für die gesamte digitale Kommunikation, wenn wir an Mails oder Videokonferenzen denken. Jetzt werden diese Möglichkeiten wesentlich stärker genutzt.

Welche Lerneffekte sehen Sie in der Industrie?
Volker Irle: Viele Unternehmen sind ja offensichtlich bereits heute gut aufgestellt. Die Tatsache, dass trotz der großen aktuellen Herausforderungen nach wie vor Küchen verkauft und ausgeliefert werden, ist hier ein gutes Indiz. Dennoch werden sich einige Unternehmen auch nach alternativen bzw. zusätzlichen Vorlieferanten umsehen. Andere werden sich noch intensiver mit Haftungsthemen befassen und z.B. ihre AGBs anpassen, um rechtlich besser gewappnet zu sein. 

Welche Folgen erwarten Sie für die wirtschaftliche Situation der Küchenunternehmen durch Corona?
Volker Irle: Es wird natürlich Einschnitte geben. Die globale Wirtschaft wird leiden. Aber meine Hoffnung ist, dass viele Konsumenten den Küchenkauf nachholen, weil es weiterhin Neubauten und Umzüge geben wird. Dies zu bewältigen, wird dann auch zur neuen Herausforderung für den Handel angesichts der Personalknappheit. Vielleicht wird sich dies bis ins nächste Jahr hineinziehen. 

Was kann die AMK für die Branche nach der Krise tun?
Volker Irle: Sobald wieder Licht am Ende des Tunnels ist und Einkommenssicherheit besteht, gilt es, Konsumenten zu aktivieren. Hier können wir dazu beitragen, das Bewusstsein über die Vorteile moderner Küchen zu schärfen. Und diese Marketing-Aktivitäten bereiten wir jetzt schon vor, für Social Media oder Radio. Vielleicht sind Verbraucher durch die Erfahrung des Selberkochens dafür nach der Krise besonders empfänglich. Darüber hinaus haben wir gerade eine Marktstudie in Auftrag gegeben, die über eine Umfrage ermittelt, wie sich die Markt-Perspektiven in China darstellen und entwickeln. 

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