Ein Blick hinter die Kulissen von Rocket Internet: Das "Manager Magazin" nimmt das Geschäftsmodell der Samwer-Brüder unter die Lupe.

Rocket Internet

Die Wahrheit über Home24 - Die Samwer-Brüder wollen Ikea "abhängen"

"Ansichten eines Klons". So betitelt das "Manager Magazin" eine Investigativ-Geschichte über Rocket Internet, das Investmentunternehmen der inzwischen berühmt-berüchtigten Samwer-Brüder. Aufhänger der Story sind vertrauliche Unterlagen, die dem Wirtschaftsmagazin vorliegen. Die Dokumente strotzen nur so von ehrgeizigen Plänen und provokanten Kampfansagen an die traditionelle Wirtschaftswelt. Das "Manager Magazin" schreibt: "Zalando-Ableger, Amazon-Klone, Internetmöbelhäuser, Büroartikelhändler - Die Dotcom-Brüder wollen in den nächsten fünf Jahren ein Multi-Milliarden-Euro-Handelsimperium errichten. Die Bastionen reichen von Brasilien über Nigeria bis nach Indonesien. Das Tempo ist waghalsig, die Versprechungen an die Investoren sind vollmundig bis vermessen." Aus den Rocket-Dokumenten zitiert das Magazin: "Neue E-Commerce-Modelle überholen traditionelle Einzelhändler". Das soll offenbar auch die Möbelbranche spüren, denn ein erklärtes Ziel sei es, Ikea "abzuhängen". In Lateinamerika, einem der strategischen Wachstumsmärkte, hat Rocket Internet nicht nur den Amazaon-Klon Linio ins Rennen geschickt. "Gleichzeitig entsteht der größte Möbelhändler im Netz, Mobly, angeblich genauso ein 'Killer' wie das in Europa tätige Schwesterunternehmen Home24."

Obwohl das "Manager Magazin" von 50 Mio. Euro pro Monat spricht, die in der von Berlin aus gesteuerten Dotcom-Galaxis verbrannt werden, fehlt es nicht an Investoren - mitunter recht bekannten. Francois-Henri Pinault (PPR, ehemals Conforama-Eigner), Lakshmi Mittal (indischer Stahl-Magnat), Stefan von Holtzbrinck (Medienunternehmer) oder Karl-Erivan Haub (Tengelmann-Inhaber) gehören zu der illustren Geldgeber-Schar. Insgesamt seien so 1,2 Mrd. Euro in den vergangenen drei Jahren in die Samwer-Schaltzentrale geflossen. Um aber das Handelsimperium zu etablieren sei deutlich mehr Kapital vonnöten. Die drei Brüder sind deshalb aktuell schwer damit beschäftigt, sogenannte "High Net-Worth Individuals", potenzielle Geldgeber, per E-Mail und Telefon von den sagenhaften Renditen zu überzeugen, die angeblich in den Anteilen von Rocket Internet stecken.

Das ehrgeizige Vorgehen nötigt Respekt ab, stößt zuweilen aber auch auf Unverständnis und Widerstand. "Im Silicon Valley werden die Samwers heute von vielen gefürchtet - und manchmal regelrecht gehasst." Kein Wunder, denn oftmals blieb nicht mehr als verbrannte Erde zurück, wenn Rocket Internet sich von seinen Klons trennte. Groupon, StudiVZ oder der Spiele-Entwickler Bigpoint sind nur die prominentesten Ballons, denen ohne Rocket Internet die Luft ausging. In letzter Zeit sehe er nur noch Hybris, sagt ein Branchenexperte.

Das beste Beispiel dafür ist laut "Manager Magazin" der Möbel-Shop Home24: "Er ist im Samwer-Sprech ein 'Category Killer for Home Furniture'. Es ist die Firma, die irgendwann einmal Branchenprimus Ikea vom Sockel stoßen soll. Geplant sind für 2017 rund zwei Milliarden Euro Umsatz. Die Marge vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) soll bis dahin bei traumhaften 17,3 Prozent liegen." Die Realität sehe heute jedoch noch ganz anders aus: 2012 habe der Online-Shop 40 Mio. Euro versenkt, in diesem Jahr sollen es gar 43 Mio. sein. Das Magazin schreibt , dass Rocket Internet "die speziellen Probleme der Möbelindustrie im Internet" offenbar unterschätzt habe. Vernichtende Kundenkritiken wegen Lieferproblemen, Reklamationen und erfolglosen Rücksendeversuchen häufen sich. Das hört sich kaum nach einem nachhaltigen Geschäftsmodell an.

Mangelnde Kontinuität sei auch der Grund dafür, warum immer mehr ehemalige Mitarbeiter und Kompagnons Rocket Internet den Rücken kehren. Das wird den Investoren allerdings egal sein, solange die Rendite stimmt. Der schwedische Geldgeber Kinnevik habe 2012 ein Dividende von 113 Mio. Euro erhalten - das 30-fache seiner ursprünglichen Groupon-Beteiligung. Ob bei dem aktuellen Tempo allerdings alle Investoren so großzügig bedacht werden können, ist fraglich. Die Probleme rund um Home24 sind laut dem "Manager Magazin" symptomatisch: "Der Motor der Rakete stottert." Oliver Sammler sieht das anders. Er erklärte jüngst, dass er süchtig nach Wachstum sei. "Das schnelle Wachstum. Formel 1, nicht Golf."

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