Buchtipp

Die unbekannte Größe des "Soviet Design"

Eine in der westlichen Welt völlig unbekannte Design-Epoche stellt der Bildband "Soviet Design" aus dem Verlag Scheidegger & Spiess vor. Während sowjetische Archtiektur und sowjetisches Grafikdesign Weltgeltung erreichten, stand das Interior Design nie im Mittelpunkt der Betrachtung. Die Bilddokumentation bietet auf 448 Seiten einen Überblick über den Zeitraum von 1920 bis 1980 und deckt damit die drei großen Stilepochen Konstruktivimus, Avant-Garde und den Modernismus ab.

Die beiden Autoren Kristina Krasnyanskaya und Alexander Semenov decken in sieben Dekaden auf, dass das Interior Design hinter dem Eisernen Vorhang vielseitiger und origineller war, als im Westen angenommen wurde. Während die 1920er noch von großer Experimentierfreude geprägt war, hielten in den 1930er Jahren Art Deco und der ästethische Stalinismus Einzug. Nach dem Tode Stalins im Jahre 1953 gewann der Modernismus zunehmend Bedeutung. Damit einher gingen funktionelle Aspekte in der Möbelgestaltung, Serienproduktion und dirigistische Stadtplanungen. Die 1960er Jahre gelten als die Goldene Epoche des sowjetischen Interior Design mit einem ausgeprägt utopischen Charakter. Die Entwürfe viele junger, wilder Designer in den 1970er Jahren wurden meist nicht realisiert, weil sie dem offiziellen Zeitgeist nicht entsprachen.

Mit über 400 Illustrationen und vielen bisher unveröffentlichten Materialien ist "Soviet Design" zweifelsohne das Standardwerk zum Thema und lädt zum Enddecken, Stöbern und Inspirieren ein.

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