Johannes Altmann, Inhaber und CEO von Shoplupe, ist einer der wichtigsten Köpfe im E- Commerce, wenn es um das Thema Customer Experience geht. Er weiß, was Möbelhändler jetzt im Internet tun können.

Johannes Altmann

"Die Möbelbranche hat jetzt Riesenchancen im Internet"

Johannes Altmann, Inhaber und CEO von Shoplupe, ist einer der wichtigsten Köpfe im E- Commerce, wenn es um das Thema Customer Experience geht. Die aktuelle Situation stellt nicht nur für den stationären Handel, sondern auch für den Onlinehandel einen echten Paradigmenwechsel dar. Wir haben den Online-Vordenker gefragt, wie die Corona-Krise den E-Commerce verändert.

möbel kultur: Herr Altmann, wie beschreiben sie das aktuelle Konsumverhalten im Internet?

Johannes Altmann: Im E-Commerce passiert generell genau das, was logisch erscheint. Die Menschen verbringen nun notgedrungen vermehrt Zeit zuhause und gehen ihren Hobbies nach. Davon profitieren derzeit vor allem Shops, die sich mit Hobby, Heim und Freizeit beschäftigen. Ein großer Online-Shop für Sportbedarf berichtete mir von einer Verdoppelung des Bestellvolumens. Ein Shop für Handwerksbedarf wie Sticken und Häkeln kämpft mit der Kapazitätsgrenze, weil sich das Volumen sogar vervierfacht hat.

möbel kultur: Wer profitiert im Internet an stärksten von dem Phänomen der Hamsterkäufe?

Johannes Altmann: Das ist ohne Zweifel Amazon, weil das Unternehmen sich schon vor der Corona-Krise das Image eines Grundversorgers erarbeitet hat. Das passt stark zu den Meldungen, die in diesen Tagen aus Seattle kamen, 100.000 neue Mitarbeiter einstellen wollen.

möbel kultur: Wie sieht es bei Warengruppen aus, die weder dem täglichen Bedarf noch dem Entertainment dienen?

Johannes Altmann: In diesen Segmenten gilt das Gegenteil. Ein Modehändler berichtete mir von einer Halbierung des Umsatzes.

möbel kultur: Gilt das auch für Möbel? Schließlich erkennen die Verbraucher möglicherweise jetzt den ein oder anderen Makel in ihren eigenen vier Wänden. Und das Home Office erfährt ohnehin gerade eine Sonderkonjunktur.

Johannes Altmann: Die Mehrheit der Bundesbürger sitzt zuhause fest. Häufig hört man, dass das Netz vollständig überlastet ist. Offensichtlich wird viel recherchiert, im Internet gesurft und Streamingdienste genutzt. Im Klartext: Jeder hat mehr Zeit als sonst. Endlich Zeit den Keller aufzuräumen, die Kinderzimmer umzuräumen, Zeit mit der Familie zu verbringen. Für die Möbelbranche eine riesige Chance zumindest mit neuen Ideen zu kommen – auch wenn man sich vielleicht nicht völlig neu einrichtet.

möbel kultur: Sehen Sie Möglichkeiten, hier antizyklisch Impulse zu geben?

Johannes Altmann: Große Rabattaktionen werden wohl derzeit nichts nutzen, weil viele Konsumenten gerade sehr gezielt einkaufen und sich kaum zu Impulskäufen verführen lassen. Onlineshops müssen die potentiellen Kunden in ihrer „Langweile“ begleiten und Inhalte mitbringen. Einrichtungstipps, Inspirationen oder einfache Checklisten für den perfekten Keller, die Lagerung von Lebensmitteln, das schönere Kinderzimmer mit wenigen Schritten ist leichte, angenehme und sinnvolle Unterhaltung. Zum Beispiel mit Videos und Bildergalerien, die zum Verweilen einladen.

möbel kultur: Was bedeutet das Ganze für die Dienstleister der Digitalisierung?

Johannes Altmann: Manche Agenturen reagieren geschickt, und wollen mit Quick-Win-Projekten den stationären Handel digitalisieren. Die Chancen stehen gut, denn auf den Straßen ist immer weniger los und die Läden sind geschlossen.

Diese Seite teilen