Partnertage 2019

Die Großfläche in der Sackgasse

Der Möbelmesse-Nachschlag in Ostwestfalen zum Jahresstart ist nun auch absolviert. Die Ausstellergemeinschaft spricht von einer guten Veranstaltung: „Die Stimmung war trotz Diskussionen um Konditionen, Reklamationen und Verträge gut und gelöst. Das Messezentrum Bad Salzuflen bot den professionellen Rahmen für eine kompetente Präsentation und eine angenehme Atmosphäre für den partnerschaftlichen Austausch.“

Ja, schon wahr, aber dennoch sah man auf Seiten der Aussteller immer wieder auch heftiges Kopfschütteln, wenn die Einkaufskommissionen weitergezogen waren. Mehrere Indizien sprechen dafür, dass sich die Großfläche und die Discounter, die lückenlos in Bad Salzuflen und Lügde unterwegs waren, mit ihrem traditionellen Orderverhalten zunehmend in eine Sackgasse hereinmanövrieren. Neue Lösungsansätze sind scheinbar nicht in Sicht.

  1. Allerorten wurde großes Bedauern in Bezug auf die Schieflage in Bad Lippspringe geäußert. Doch da die Produkte von Wellemöbel von den deutschen Handelsflächen nach und nach verschwinden, standen die Einkäufer nun unter Druck, Ersatz zu beschaffen. „Bitte nachbauen!“, lautete entsprechend die Aufforderung, der nur in Teilen nachgekommen wurde. Zum einen darf die Industrie aus rechtlichen Gründen nicht einfach kopieren, zum anderen gab es eben doch in einigen Nischen Dinge, die nur Welle so fertigen konnte. Damit steht fest: Es geht wieder ein Stück Vielfalt verloren. Die Uniformität der Waren nimmt zu.
  2. Andererseits stehen den Filialisten mittlerweile gar nicht mehr so viele Möglichkeiten zur Verfügung, um große Volumina zu bekommen. Das gilt weniger für Polster, wo Polipol, 3C, Cotta/Steinpol und Himolla große Mengen stemmen können, aber umso mehr für Kastenmöbel. Trendteam, Bega, MCA könnten hohe zweistellige Auftragszuwächse vermelden, wenn sie denn selbst die Kapazitäten sicherstellen könnten. Allerdings deutet sich in Polen ein beginnender Strukturwandel an (raus aus dem Preiseinstieg) und die Bezugsquellen weiter östlich (Ukraine, Russland, Weißrussland) können den Bedarf und die Qualität in dem unteren Preissegment noch nicht gewährleisten. Da Schwergewichte wie Rauch und Forte momentan auch intern Aufgaben zu lösen haben, wird das Nadelöhr immer enger. Die Uniformität der Ware nimmt im Zuge der weiteren Konzentration auf Lieferantenseite weiter zu, da helfen auch die unterschiedlichen Griffe und Füße an Exklusivmodellen nicht wirklich weiter.
  3. Wenn die Einkäufer erneut Rabatte fordern, dann sollten sie das zumindest begründen können. Das ist allerdings keineswegs der Fall. Auf die Rückfrage der Lieferanten gab es zunächst nur ein Schulterzucken oder Stillschweigen. Und dann die Antwort: „Weil die Konkurrenz das bekommen hat. Wir dürfen nicht benachteiligt werden.“ Das gerade die Importeure mit enormen Kostensteigerungen in Osteuropa zu kämpfen haben, ist dem Handel eigentlich bekannt. Mit der Partnerschaftlichkeit war das also wieder so eine Sache.
  4. Die Logistik aus Osteuropa ist überlastet. In Polen herrscht genau der gleiche Fachkräftemangel wie hierzulande. Das führt dazu, dass Speditionen Teile ihres Fuhrparks nicht bewegen können. Zudem führt ein Luxusproblem zu einer Verschärfung der logistischen Lage: Da sich die Speditionen ihre Auftraggeber branchenübergreifend aussuchen können, geben sie Möbeltransporten immer häufiger eine Absage. Der Grund: Die Situation an den Rampen (insbesondere der Discounter) mit rauem Umgangston, langen Wertezeiten und unerfüllbaren Auflagen des Handels (zwei Mann zum Abladen) ist für viele Spediteure unerträglich geworden. Das belastet insgesamt natürlich die Lieferzeiten und verschlechtert die Performance. Der Handel schiebt dieses Problem allerdings an die Industrie ab.
  5. Die Lieferanten müssen den großen Auftraggebern den Vorzug vor den mittelständischen  Kunden geben. Das ist eine Frage der Machtverhältnisse. Und die Kontingente sind momentan nun mal begrenzt. Verlierer sind die Lieferanten selbst, die gegenüber kleinen Handelsformaten in der Regel bessere Konditionen erreichen. Und der mittelständische Handel ist im Hintertreffen, weil er sich in der Schlange hinten einreihen muss. Positiv: Das eröffnet wiederum die Chance für kleinere Lieferanten, sich stärker auf den Mittelstand zu konzentrieren, was langfristig in puncto Warenvielfalt zu einem weiteren Nachteil für den Großfläche werden könnte.

Nach dem dramatischen Frequenzrückgang im vergangenen Jahr, der insbesondere die Großfläche ziemlich zugesetzt hat, sind die Vorzeichen für 2019 dieselben. Zumindest im Einkauf scheint es keine neuen Ansätze zu geben, wie die Partnertage ergeben haben. Das Jahr wird zeigen, ob andere Abteilungen der Großfläche kreativere Lösungen finden. Das Kapazitätsproblem wiederum scheint sich insbesondere im Kastenmöbelbereich weiter zuzuspitzen.

Trotz alledem haben die Partnertage ihre Bedeutung als Orderplattform für schnelle Sortimente einmal mehr unterstrichen. Und eines bleibt ja auch festzuhalten: Der Handel ist sich momentan bewusst, dass er frische Ware benötigt. Das hätte angesichts des schlimmen Möbeljahres 2018 auch anders laufen können. Insofern stimmen wir den Ausstellern zu: "Viele Neuheiten, überraschende Innovationen und umfangreiche Ansätze boten jede Menge Input für den Handel."

Das außergewöhnliche und sympathische Messe-Format findet im kommenden Jahr vom 28. bis 30. Januar statt.

 

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