Schieder Möbel Holding

Die Gewinner der Pleite

Die Schieder-Insolvenz hat viele Verlierer: Rund 1.000 Mitarbeitern kostete sie den Job, die meisten der 48 Gläubigerbanken bleiben auf einem großen Teil der ungesicherten Kredite sitzen. Doch wie der "Spiegel"

Die Schieder-Insolvenz hat viele Verlierer: Rund 1.000 Mitarbeitern kostete sie den Job, die meisten der 48 Gläubigerbanken bleiben auf einem großen Teil der ungesicherten Kredite sitzen. Doch wie der "Spiegel" in seiner Neujahrsausgabe aufgedeckt hat, gibt es auch Gewinner: Sanierungsberater, Insolvenzverwalter und Rechtsanwälte der so genannten "Restrukturierungsindustrie". Sie sollten den Turnaround des Konzerns organisieren – gegen die Zahlung hoher Honorare.
Die Probleme von Europas größtem Möbelhersteller wurden laut "Spiegel" 2005 eklatant, als globale Investmentbanker in den Konzern einstiegen: "In jenem Jahr erhielt das Unternehmen mit den Entscheidungsstrukturen eines Dorfvereins unter anderem mit Hilfe der WestLB eine internationale Finanzierung der Champions-League-Klasse, mit der es nicht umgehen konnte", so das Nachrichtenmagazin. Daher beauftragten die Schieder Möbel Holding und vier ihrer Töchter am 31. Januar 2007 die Investmentbank Houlihan Lokey mit der Beratung bei der "finanziellen Reorganisation". Nach Angaben des Nachrichtenmagazins sollten diese Berater "ab dem 20. Februar ein monatliches Honorar von 165.000 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer" sowie "ein Honorar in Höhe von 2% des Reorganisationsvolumens (das Festhonorar), in jedem Fall aber 3 Mio. Euro" erhalten. Bislang wurden Houlihan die Monatszahlungen von Februar bis Juni in Höhe von 825.000 Euro überwiesen.
Doch damit nicht genug: Laut "Spiegel" schloss Schieder am 15. März eine Vergütungsvereinbarung mit der internationalen Anwaltskanzlei Freshfield Bruckhaus Deringer und unterzeichnete am 22. März einen Vertrag mit der Unternehmensberatung Alix Partners. Die Stundenlöhne für beide Beraterfirmen lagen zwischen 250 und 725 Euro. So sollen bis zum 10. Mai fast 1.950.000 Euro an Alix Partners und 1,9 Mio Euro an Freshfield gezahlt worden sein, die in der Spitze mit 15 bzw. 40 Mitarbeitern im Konzern vor Ort waren. Angeblich "tummelte sich bei Schieder am Ende das komplette Who's Who der internationalen Anwalts- und Beraterszene", allein zu Telefonkonferenzen sollen "bis zu hundert Leute zusammengeschaltet" worden sein.
Ein Wasserkopf, der dazu führte, dass die Schieder-Übersicht am 10. Mai angeblich insgesamt 22 Firmen mit Beraterstatus auswies. Innerhalb weniger Wochen sollen diese mehr als zehn Millionen Euro erhalten haben. Damit sind rund 15 Prozent der 65 Mio. Euro, die Schieder Anfang April als Überbrückungskredit eines Bankenkonsortiums unter Führung von Goldman Sachs bekommen hatte, bereits Mitte Mai für Beraterkosten ausgegeben worden.
Und die Forderungen sind noch nicht beendet: Wie der "Spiegel" berichtet, hatte Houlihan Lokey nicht nur die deutsche Schieder Holding, sondern auch deren Auslandstöchter in Österreich und Liechtenstein als Vertragspartner gesichert. Eine umstrittene Vorgehensweise. Insolvenzverwalter Sven-Holger Undritz will die Forderungen angeblich nicht anerkennen und soll Houlihan Lokey-Chef Ansgar Zwick aufgefordert haben, auf die Ansprüche zu verzichten. Doch dieser lehnte bisher ab. Ob die zwei Millionen Euro gezahlt werden, steht noch nicht fest.