Fazit
Die fünf Erkenntnisse der Partnertage Ostwestfalen
Konnten die Partnertage ihrem eigenen Anspruch gerecht werden? "Egal ob Schnee und Eis, die Partnertage werden heiß", lautete das diesjährige Motto und in der Tat erschwerten die Wetterbedingungen die Anreise
Konnten die Partnertage ihrem eigenen Anspruch gerecht werden? "Egal ob Schnee und Eis, die Partnertage werden heiß", lautete das diesjährige Motto und in der Tat erschwerten die Wetterbedingungen die Anreise des einen oder anderen Besuchers. Doch auch der zweite Teil des Slogans wurde erfüllt. Denn mindestens fünf brennende Themen lagen in den vergangenen Tagen im Messezentrum von Bad Salzuflen in der Luft.
1) Der Lutz-Aktivismus: Alle Gruppierungen der Lutz-Gruppe (bis hin nach Osteuropa) stehen unter Druck, exklusive Sortimente zusammenzubekommen. Wie es aussieht dürfen die Begros-Eigenmarken noch bis zum 30. September in den Lutz-Häusern stehen, dann müssen Mondo, Vito und Livin durch Neukreationen ersetzt werden. Dabei muss man kaum betonen, dass sich die Österreicher dabei keine Fehltreffer erlauben wollen. Kein Wunder, dass diese Zielsetzung zum Teil in akribische Feinarbeit ausartete. Einige Lutz-Delegationen saßen mit potenziellen Eigenmarken-Lieferanten bis zu drei Mal zusammen. Dass der kurz vor der Messe eingeforderte zehnprozentige Jubiläumsbonus dabei nicht überall für gute Stimmung sorgte, ist klar. Allerdings nahmen es die Lieferanten auch nicht zu schwer. Tenor bei vielen: Welchen Grund hat Lutz gerade jetzt Extrawürste einzufordern? Schließlich kauft Lutz nun weniger Menge ein als noch zusammen mit der Begros.
2) Die Eigenmarken-Falle: Alle wollen Eigenmarken. Die Lutz- und Begros-Trennung hat dieses Thema noch einmal zusätzlich befeuert. Eines muss dem Handel allerdings klar sein: Die Reklamationsquote wird sich bei Exklusivmodellen erhöhen. Bei dem von den Lieferanten eingeforderten Entwicklungstempo ist es gar nicht mehr möglich, ein Möbel heute noch wirklich zur Marktreife zu bringen. Somit landen vermehrt Schnellschüsse im Handel. Die Industrie hat dieses Thema deutlich angesprochen. Fragt sich nur, ob es im Handel auch Gehör findet.
3) Die Asien-Falle: Manchmal ist die Welt ungerecht. Da kann man seine Prozesse noch so gut im Griff haben und dann schlagen einem die Devisen ein Schnippchen. Die Asien-Importeure leiden momentan darunter, den starken Dollar mit schwachen Euros bezahlen zu müssen, denn in Fernost dominiert nunmal der Greenback den Zahlungsverkehr. Wer sich keine langfristigen Wechselkurse festschreiben lassen hat, steht nochmehr unter Druck. Kein Wunder, dass es bei Asien-Artikeln durch die Bank weg Preiserhöhungen zwischen 8 und 13 Prozent gegeben hat. Der Handel hat die bittere Pille mit Murren geschluckt. Sinkt der Euro weiter, wird die Erhöhungsrunde aber nicht ausreichen. Ob der Handel auch eine zweite Erhöhung mitträgt, ist fraglich. Fest steht: Die großen Profiteure der Asien-Falle sind die Ost- und Südeuropa-Spezialisten, deren Wettbewerbsfähigkeit durch die Währungsturbulenzen enorm zugenommen hat. Und diese Bemerkung sei erlaubt: Wenn der Möbelstandort Europa gestärkt wird, ist das auch keine schlechte Entwicklung.
4) Sonoma-Abschied: Im Kastenmöbel-Segment konnte man in den vergangenen Jahren den Eindruck gewinnen, dass es sich bei den ostwestfälischen Messen um reine Schattdecor-Hausmessen gehandelt hat. Eiche "Sonoma" dominierte das Bild allerorten. Der Nachfolger "San Remo" konnte an diesen Erfolg nicht anknüpfen und lässt Platz für andere Dekore und Anbieter. Insbesondere Interprint und auch Surteco profitieren davon. Der Vielfalt in den Möbelausstellungen tut diese Entwicklung in den kommenden Monaten sicher gut.
5) Das Mittelschichts-Comeback: Die Mittelschicht gibt wieder Geld aus – und im Unterschied zu den letzten Jahren sogar mit Genuss. Die Geiz-ist-Geil-Mentalität, die nicht zuletzt das Wachstum der Discounter befeuert hat, klingt ab. Die Mittelschicht ist bereit für gute Möbel auch gutes Geld zu bezahlen – allerdings nicht zu viel, was beispielsweise Hülsta das Leben schwermacht. Davon profitieren insbesondere die Anbieter von montierten Modellen im Mainstream-Bereich wie Interfurn, Kerkhoff, InnoStyle und vor allem MCA. Gute Aussichten also für das Möbeljahr 2015. Nach einem guten Januar berichteten viele Mainstream-Lieferanten von prall gefüllten Auftragsbüchern.

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