Lars Adler, ist Geschäftsführer von Hoff Interieur und EVL-Vorstandsvorsitzender. Für "möbel kultur" schätzt er die Lage ein.

Lars Adler im Interview

„Die Chinesen tun gerade alles dafür, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln“

Lars Adler ist Geschäftsführer von Hoff Interieur und darüber hinaus auch Vorstandsvorsitzender des Europäischen Verband Lifestyle (EVL). Als führendes Unternehmen aus dem Bereich Wohnaccessoires, Kunsthandwerk und Geschenkartikel ist Hoff global vernetzt und versteht sich selbst als „Marktplatz der Welt“. Wir baten ihn um eine Einschätzung der aktuellen Lage. Trotz aller Dramatik gibt es auch Hoffnungsschimmer.

möbel kultur: Herr Adler, wie hat sich die Situation in den vergangenen Wochen für Hoff Interieur entwickelt?

Lars Adler: Unsere Messen im Januar und Februar sind wirklich toll gelaufen. Wir erlebten eine fast euphorische Stimmung und eine starke Branchenkonjunktur. Auf der Ambiente begann das Ganze dann langsam zu kippen. Zunächst haben uns dabei zwei Themen besonders beschäftigt. Die Auswirkungen auf die Lieferkette und ein befürchteter Ausfall der Kanton-Messe.

möbel kultur: Was ist für Sie nun Stand heute das schwerer wiegende Thema?

Lars Adler: Beide Themen sind wohlmöglich gar nicht so dramatisch. Die Chinesen arbeiten wieder und sind fleißig. Sie machen Überstunden und tun alles dafür, die Lieferkette wieder zu komplettieren und die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Viele Container gehen allerdings erst in den nächsten Wochen auf Reisen und wir werden sehen ob die Termine eingehalten werden. Das heißt am Ende aber dennoch: Die Herbst- und Weihnachtsware wird vielleicht etwas später, aber noch rechtzeitig ankommen.

möbel kultur: Und wie steht es um die Kanton-Messe, die ja in drei Phasen zwischen dem 15. April und dem 5. Mai stattfinden soll?

Lars Adler: Die chinesischen Unternehmer wollen die Messe unbedingt durchführen. Die Gesundheitsexperten sehen das ganz anders, weil sie fürchten, dass nun die Ausländer das Virus wieder ins Land tragen werden. China stellt derzeit keine Visa aus. Nun wird es sehr spannend zu beobachten sein, wer sich am Ende durchsetzt. Aber selbst im Falle des Falles, dass, man einen Flug bekommt und dass die Messen stattfinden, ist davon auszugehen, dass nur wenige Einkäufer dort sourcen werden.

möbel kultur: Was passiert gerade hierzulande mit dem Konsum?

Lars Adler: Das sehe ich gerade als das Hauptproblem. Bis vorletzte Woche waren es ca. 25 Prozent weniger Frequenz im Einzelhandel. In der letzten Woche etwa 30 Prozent. Und in dieser Woche schließen die Geschäfte voraussichtlich komplett laut Anordnung. Darunter leiden Einzelhändler, Großhändler und Importeure gleichermaßen. Das könnte vielen das Genick brechen.

möbel kultur: Was können Sie tun?

Lars Adler: Die neue Kurzarbeitsregelung, die rückwirkend zum 1. März gilt, ist sicherlich eine sinnvolle Maßnahme. Auch die KfW unterstützt mit unbegrenzten Kreditrichtlinien. Das sind wichtige Instrumente, um der Krise zu begegnen.

möbel kultur: Wie könnte sich die Nachfrage der Konsumenten verhalten?

Lars Adler: Wenn das Sozialleben sich im engsten und Familien- und Bekanntenkreis abspielt, dann machen es sich die Menschen zuhause schön und man isst und trinkt zusammen. Diese intime Geselligkeit könnte eine neue Wertschätzung erfahren und ein Cocooning 2.0. auslösen. Vielleicht könnte es dann wieder bergauf gehen.

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