Roundtable Europa Möbel-Verbund

„Der Wille muss da sein“

In der Möbelbranche arbeiten nach wie vor in der Mehrzahl Männer – in Leitungspositionen wird die Diskrepanz noch einmal besonders deutlich. In einem Roundtable mit weiblichen Führungspersönlichkeiten des Europa Möbel-Verbunds

In der Möbelbranche arbeiten nach wie vor in der Mehrzahl Männer – in Leitungspositionen wird die Diskrepanz noch einmal besonders deutlich. In einem Roundtable mit weiblichen Führungspersönlichkeiten des Europa Möbel-Verbunds hat die „möbel kultur“ in ihrer Sommer-Ausgabe ausgelotet, warum das so ist, was sich ändern müsste und wie der EMV in puncto Gleichstellung aufgestellt ist. Rede und Antwort standen Manuela Bayer, Einkäuferin Schlafen, Jugend, Büromöbel, Barbara Birnkammer, CAO, Leitung Rechnungswesen, HR und Verwaltung, Kristina Brahmstaedt, Head of Marketing, Julia Dietl, Einkäuferin Wohnen und Speisen und Gabriele Wallner, Geschäftsführung Perspektive Werbeagentur. Ein Auszug:

möbel kultur: Frau Bayer, seit über zehn Jahren sind Sie beim verantwortlich als Einkäuferin für die Bereiche Schlafen, Jugend und Büromöbel. Es ist kein Geheimnis, dass Frauen in der Regel maßgeblich sind, wenn es um die Einrichtung geht. Gleichwohl entscheiden immer noch zum Großteil Männer – als Einkäufer in den Verbänden – welche Möbel überhaupt in den Möbelhäusern zum Verkauf angeboten werden. Das ist doch absurd. Wie erleben Sie Ihren beruflichen Alltag?
Manuela Bayer:
Ich kann definitiv sagen, dass sich in den letzten zehn Jahren einiges geändert hat. Es ist zwar so, dass auch bei uns in den Einkaufsausschüssen immer noch wenige Frauen dabei sind, aber es werden mehr. In der Nachfolgegeneration unserer Händler rücken die Töchter nach, die aktiv mit in der Geschäftsführung tätig sind. Ganz zu Beginn meiner Laufbahn, vor mittlerweile mehr als 25 Jahren, waren die Frauen in der Regel die Einkäufer-Assistentinnen. Da gibt es jetzt ganz klar eine Entwicklung. Und ich möchte auch betonen, dass wir hier beim EMV schon gut aufgestellt sind, auch mit Mitarbeiterinnen, die lange diese Positionen ausfüllen. Bei anderen Verbundgruppen sehe ich weniger Frauen im Einkauf. Und wenn, dann meistens nur für kurze Zeit.

möbel kultur: Frau Dietl, Sie sind seit zwei Jahren als Einkäuferin Wohnen und Speisen beim EMV, verfügen aber bereits über langjährige Erfahrung im Einkauf, u.a. bei Wagner Living. Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrem beruflichen Alltag gemacht?
Julia Dietl:
Ich wurde vor zwei Jahren sowohl von der Industrie als auch in den Einkaufsausschüssen mit offenen Armen empfangen. Zu Beginn hieß es häufiger: Schön, dass in den Einkauf jetzt auch eine weibliche Note kommt. Und das spüre ich bis heute.
Es gibt aber Situationen, in denen bleibt es herausfordernd, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Ich denke, dass ist für uns Frauen immer noch schwieriger als für Männer. Das wurde auch gerade in der Corona-Zeit noch einmal ganz deutlich, wenn man allen gerecht werden will. Wobei ich aus meiner Erfahrung sagen kann, dass ich stets  Arbeitgeber hatte – und das gilt auch für den EMV – die mich voll unterstützt haben. Es ist dabei immer wichtig, offen miteinander zu reden. Dann findet man auch eine Lösung.

möbel kultur: Frau Wallner, Sie sind Geschäftsführerin der Perspektive Werbeagentur, die zum EMV gehört und die dafür sorgt, dass die angeschlossenen Händler in allen Marketingfragen kompetent unterstützt werden. Wie läuft der Kontakt mit den EMV-Mitgliedern? Es ist ja definitiv so, dass Männer und Frauen unterschiedlich kommunizieren.
Gabriele Wallner:
Auf jeden Fall. Als ich damals im Alter von 25 Jahren als Leiterin der DMV-Werbeabteilung zu den Händler rausgefahren bin, hatte ich oft das Gefühl, dass ich nicht richtig ernst genommen werde. Da war sicherlich oft in den Köpfen der Gesellschafter: Oh Gott, da kommt jetzt so ein junges Mädel und will mir etwas erzählen. Meine Aufgabe war es dann, diese Händler zu überzeugen, Vertrauen aufzubauen. Erschwerend kam hinzu, dass ich nicht nur eine junge Frau war, sondern auch noch aus der Großstadt kam. Da mussten einige Vorurteile aus dem Weg geräumt werden.  Ich habe dann deutlich gemacht, dass wir gemeinsam schauen, wie wir miteinander das Beste rausholen können. Schon seit längerer Zeit spüre ich keinerlei Vorbehalte von den Inhabern mehr. Ja, es sind immer noch meistens Männer, manchmal Ehepaare. Doch auch ich merke, dass sich jetzt in der jüngeren Generation etwas ändert.

möbel kultur: Frau Brahmstaedt, wie wird sich die Arbeitswelt in den nächsten Jahren wandeln? Und hat das auch Einfluss darauf, dass sich etwas für Frauen ändert in puncto Karriere?
Kristina Brahmstaedt:
Insgesamt ist es ganz bestimmt gut, wenn die Arbeitswelt flexibler wird. Und wenn es mehr Möglichkeiten gibt, die Arbeitszeit zu gestalten, fördert das sicherlich auch die Gleichberechtigung, da die Erziehungsarbeit besser aufgeteilt werden kann. Auch Ehrenämter können in dieser Zeit ausgeführt werden, was auch ein Gewinn für unsere Gesellschaft darstellt. Ich glaube, dass die Arbeitszeitregelung, vor allem die Möglichkeit zu Homeoffice, heute eine ganz wichtige Rolle spielt, die jetzt nach der Corona-Zeit sogar extrem wichtig geworden ist. Flexiblere Arbeitszeiten fördern die Gleichberechtigung.

möbel kultur: Oft ist es ja so, dass Frauen in mittleren Führungspositionen bereits angekommen sind, aber ganz oben sind es dann doch nur wenige. Und auch beim EMV ist nur Frau Birnkammer auf der Geschäftsführungsebene.
Kristina Brahmstaedt:
Ja, das wollte ich auch noch ansprechen. Frauen kommen bis zu einer gewissen Ebene, bis zum mittleren Management, aber eben nicht zum Top Management. Hier muss sich noch etwas ändern. Das sieht man nicht nur in der Möbelbranche, sondern überall. Da gibt es noch einiges zu tun.

möbel kultur: Was muss sich dafür noch in der Gesellschaft verändern? Was ist der wichtigste Punkt, damit das Verhältnis irgendwann ausgewogen ist?
Barbara Birnkammer:
Ich glaube, dass ändert sich sowieso, da die Männer der jüngeren Generation anders darüber denken. Das Wichtigste für alle, egal ob Mann oder Frau, wird sein, Führungspositionen auch in Teilzeit ausfüllen zu können. Nur so funktioniert es. Wie Frau Brahmstaedt schon sagte, auch die Pflege von Angehörigen ist zum Großteil immer noch Sache der Frauen, auch das müsste sich ändern. Deshalb wäre es das beste Modell, wenn beide Teilzeit arbeiten könnten.

Lesen Sie das gesamte Interview in der Sommer-Ausgabe 7/8 der „möbel kultur“. Hier geht es zum Abonnement.