Sabine Christiansen

Das sagt die Hermes-Aufsichtsrätin über die Frauenquote

Seit April 2013 ist die TV-Moderatorin und Unternehmerin Sabine Christiansen Mitglied im Aufsichtsrat vom Paketversender Hermes. Knapp ein Jahr nach Amtsantritt sprach die 56-Jährige im Hamburger Abendblatt über die gesetzte

Seit April 2013 ist die TV-Moderatorin und Unternehmerin Sabine Christiansen Mitglied im Aufsichtsrat vom Paketversender Hermes. Knapp ein Jahr nach Amtsantritt sprach die 56-Jährige im Hamburger Abendblatt über die gesetzte Frauenquote und über Frauen in der Wirtschaft allgemein.
Bis zum Jahr 2016 muss der Aufsichtsrat in börsennotierten Unternehmen zu 30 Prozent von Frauen besetzt sein. Auch Sabine Christiansen erhält immer wieder Anfragen von Unternehmen: "die Anrufe sind zahlreich, wie bei vielen Frauen im Moment. Erstens, weil die Einführung der Quote nicht mehr weit entfernt ist. Zweitens, weil es dauert, einen Aufsichtsratsposten neu und vernünftig zu besetzen." In der Vergangenheit wurden die Plätze in Aufsichtsräten über das berühmt berüchtigte "Vitamin B" vergeben. "Ich glaube tatsächlich, dass diese Zeiten vorbei sind, und ich bin froh darüber. Dadurch kommt die Wahl der Aufsichtsräte aus dieser Klüngelstube heraus. In der alten Deutschland AG hieß es doch immer: Kommst du zu mir, komm ich zu dir. Heute ist es wichtiger, eine gute Mischung aus verschiedenen Charakteren und Kompetenzen, aus Geschlechtern und – wo wir ja erst am Anfang stehen – aus unterschiedlichen Nationalitäten zu haben. Die neue Denke ist: Wie profitieren wir als Unternehmen von einem möglichst heterogenen Aufsichtsrat, der Erfahrungen dort mitbringt, wo wir sie gar nicht haben. Bei Daimler ist jetzt zum Beispiel die ehemalige Avon-Chefin Aufsichtsrat."
Auf die Frage, ob mehr Frauen in Aufsichtsräten gleich bedeutet, dass in naher Zukunft auch dann mehr Frauen in den Vorstanden vertreten sein werden, antwortete die ehemalige Tagesschau-Sprecherin: "Nur dann machen die gesamte Debatte und die Quote einen Sinn. Frauen müssen sehen, dass sich ihre Anstrengungen im Beruf bis in höchste Weihen auszahlen und sie müssen beginnen, den Anspruch darauf auch zu artikulieren. In der Vergangenheit waren wir vielleicht bei unserer Karriereplanung zu entspannt oder gehemmt."
Christiansen ist der Meinung, dass sich auch der Stil in den Unternehmen durch die Einführung der Frauenquote ändern werde – "wie immer, wenn Frauen in eine Männergruppe kommen. Und das soll nicht nur heißen, dass der Ton freundlicher wird. Es geht auch darum, dass Frauen Männern helfen können, nah an den Themen zu bleiben. Grundsätzlich wollen wir ja nicht die Aufsichtsräte deutscher Firmen revolutionieren. Frau von der Leyen wird als Verteidigungsministerin die Bundeswehr auch nicht neu erfinden. Aber sie hat als Frau hier und da ein anderes Ohr für Themen, gerade im sozialen Bereich. Und Frauen können Konflikte manchmal leichter und schneller entschärfen. Alles Fähigkeiten, die in unserer Wirtschaft heute wichtig sind. Wir arbeiten sehr zielorientiert, sind gut strukturiert, können es uns nicht leisten, Zeit zu vergeuden. Niemand muss also Angst haben, dass Aufsichtsratssitzungen zu Häkelrunden werden."