Der Vorstandsvorsitzende der Otto Group, Hans-Otto Schrader, stellte heute die Grundzüge des "Fokus"-Programms vor.

"Fokus"-Programm der Otto Group

"Das ist für uns ein Paradigmenwechsel"

Die heutige Pressekonferenz der Otto Group in Hamburg wurde mit Spannung erwartet. Das Restrukturierungsprogramm namens "Fokus" hatte zuletzt einige Fragen aufgeworfen. Der Vorstandsvorsitzende der Otto Group, Hans-Otto Schrader stand deshalb heute Rede und Antwort. Die wichtigste Nachricht: Die Universalversender Baur, Schwab und die Otto-Einzelgesellschaft, die bis dato autark agierten, werden in Zukunft stärker zentral gesteuert. Damit plant der Konzern, das Warenangebot besser ausdifferenzieren zu können und Wettbewerbssituationen - das betrifft auch den Einkauf - unter den Versendern zu vermeiden. Das jahrzehntelang gültige Otto-Prinzip der Führung zur Eigenständigkeit wird somit aufgeweicht. "Das ist für uns ein Paradigmenwechsel, der auch intern für viel Diskussionsbedarf sorgt", gab Schrader dementsprechend zu Protokoll. Ausgenommen von dem Synergie-Programm ist der Heine Versand, der als Spezialanbieter für Mode und Wohnen weiterhin seine Geschicke allein lenken wird.

"Fokus" soll möglichst schnell für mehr Wirtschaftlichkeit sorgen. Ein Stellenabbau ist dabei unumgänglich, wie Schrader heute feststellte - in welchem Umfang steht allerdings noch nicht fest. Die Projektgruppe arbeitet momentan an der Ausarbeitung der Restrukturierungs-Agenda, Details werden aber nicht vor Ende September kommuniziert. Das betrifft auch die Sortimentspolitik: Fest steht aber jetzt schon, dass die Preise "wettbewerbsfähiger" werden sollen, unrentable Warengruppen könnten gleich ganz gestrichen werden. Zum Weihnachtsgeschäft werde die neue Preispolitik erstmals sichtbar sein, kündigte Schrader an.

Mittelfristig erwartet der Konzern positive Impulse für Wachstum und Ertrag aus der in diesem Jahr eingeleiteten Investitionsoffensive: "Aus einer Position der Stärke heraus wollen wir das Kerngeschäft mit den Marken Otto, Baur und Schwab in eine gute Zukunft führen. Die drei Marken, die im abgelaufenen Geschäftsjahr allesamt positive Ergebnisbeiträge ablieferten, sollen im Zuge des Projekts 'Fokus' klarer positioniert werden. Otto wird unter der Ägide eines eigens dafür geschaffenen Bereichsvorstands als der führende Universal-Onlinehändler mit Schwerpunkt in den Sortimentsbereichen Mode und Living klarer und kräftiger am Markt agieren und wieder zu einem Wachstumskurs zurückkehren. Entsprechende Investitionen werden getätigt. Baur und Schwab werden den eingeschlagenen Pfad zu spezialisierten Onlinehändlern konsequent fortsetzen."

Die Otto Group macht auch deshalb Tempo, weil sich die Erträge der Einzelgesellschaften im vergangenen Geschäftsjahr zwar positiv, aber verhalten entwickelten. Die Gewinnentwicklung blieb aufgrund gestiegener Rohstoff- und Faktorkosten, der Erlösschwäche einzelner Firmen wie in Frankreich und hoher Investitionen, insbesondere im Bereich der Konzern-IT, unter dem guten Vorjahresniveau. Das operative Ergebnis (EBITDA) der Otto Group verminderte sich bei einem Gesamtumsatz von 11,6 Mrd. Euro (+2,3 Prozent) von 667 Mio. Euro auf 539 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank von 378 Mio. Euro auf 259 Mio. Euro.

Der Blick auf die Umsatzergebnisse der einzelnen Gesellschaften innerhalb des Segments Multichannel-Einzelhandel ist in Deutschland überwiegend positiv. Die Einzelgesellschaft Otto erzielte mit einem leichten Minus von 1,3 Prozent einen Umsatz von 2,087 Mrd. Euro. Der Zuwachs im Geschäft über das Internet konnte dabei ausgebaut werden und liegt nun bei fast 75 Prozent. Weiterhin positiv entwickelte sich die Bonprix-Gruppe. Sie steigerte ihren Umsatz um 2,2 Prozent von 1,136 auf 1,162 Mrd. Euro. Die Witt-Gruppe legte um 2,4 Prozent von 629 auf 644 Mio. Euro zu. Nach einem Wachstum von mehr als 22 Prozent im vorangegangenen Geschäftsjahr wuchs die Baur-Gruppe im zurückliegenden Jahr nochmals um 1,2 Prozent auf 616 Mo. Euro. Der Heine Versand meldete hingegen einen Rückgang von 3,7 Prozent auf 526 Milo. Euro. Schwab steigerte seinen Umsatz um 8,4 Prozent von 464 auf 503 Mio. Euro.

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