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Das große M.O.W.-Fazit – An der Industrie liegt es nicht…

…wenn im Möbelhandel in der kommenden Saison Uniformität herrscht. Denn die M.O.W. konnte nicht nur aus Anlass ihres 30. Geburtstags eine "Gaudi" feiern, auch auf dem Messeparkett veranstalteten die Aussteller

…wenn im Möbelhandel in der kommenden Saison Uniformität herrscht. Denn die M.O.W. konnte nicht nur aus Anlass ihres 30. Geburtstags eine "Gaudi" feiern, auch auf dem Messeparkett veranstalteten die Aussteller eine zünftige Neuheitenschau. Ob Beton-Optik, Leichtbau, Farbigkeit oder Funktionen – die Industrie hat sich ins Zeug gelegt wie lange nicht mehr. Nun muss der Handel die Frage beantworten, ob er weiter Einheitsbrei anrühren möchte oder den Mut der Hersteller belohnt. Ein Geschäftsführer eines Polsterlieferanten brachte dies auf den Punkt: "Der Handel muss jetzt dazu bereit sein, Risikokapital in die Hand zu nehmen. Wenn nur zehn Prozent des Einkaufsbudgets in wirkliche Produktinnovationen fließen würden, wären die Anstrengungen der Industrie belohnt." Wie sonst sollte ein Kastenmöbler weiter dazu in der Lage sein, auf jeder Messe zahlreiche neue Programme zu präsentieren, wenn im Endeffekt wieder nur drei oder vier Mainstream-Serien geordert werden?
Der stationäre Handel sollte sich zumindest darüber im Klaren sein, dass Onliner und Versender sich in den vergangenen Tagen Produktionnovationen gegenüber sehr aufgeschlossen gezeigt haben.
Leider honorierten viele Einkaufskommissionen aber ad hoc weniger die Innovationskraft der Industrie, als vielmehr deren Fähigkeit, Exklusivmodelle zu produzieren. Denn der Anspruch auf eigene Modelle ist mittlerweile zur Selbstverständlichkeit, ja gar zur Manie, geworden. Dabei sind Exklusivitäten nicht immer sinnvoll: "Ein Hersteller denkt sich etwas dabei, wenn er ein Programm entwickelt – oftmals hat er dabei sogar den Endkunden im Visier. Wenn dann wieder Exklusiv-Modelle gefordert werden, wird letzten Endes doch wieder nur für den Handel entwickelt. Die Modelle werden dabei nur selten besser", hieß es bei einem bekannten Kastenmöbler. Vielleicht sollten die Verbände doch mal den Mut aufbringen, ein Modell zu platzieren, dass auch bei der Konkurrenz läuft. Mit ein bisschen gutem Willen zur preisstabilen Vermarktung kann das funktionieren.
Zu wünschen wäre das beispielsweise den Möbeln im Loft-Look, wie sie Massiv Direkt oder Sit Fine Furniture präsentierten. Toll entwickelt hat sich auch die Landhaus-Thematik, die seit den Partnertagen noch schicker, moderner (und selbst im Einstigespreisbereich) wertiger geworden ist – zum Beispiel bei IMV Steinheim, MCA, Gomab, Kerkhoff oder Interstil. Viel wurde bei massiven und teilmassiven Programmen mit Applikationen gearbeitet – das Spektrum reichte von Beton, über Leder (Wimmer) bis hin zu warm gewalztem Blaustahl (Hartmann).
Die Kastenmöbler sind sich noch nicht ganz sicher, welches das Nachfolge-Dekor von Eiche "Sonoma" wird. "San Remo" dreht sich offenbar längst nicht so schnell wie sein Vorgänger, dementsprechend wurde viel experimentiert. Stand man vor einem Jahr in Bad Salzuflen noch im "Sonoma"-Wald, gab es jetzt Natureiche, Buche und Akazie zu sehen. Außerhalb der M.O.W. verwunderte es daher nicht, dass die beiden Mengenlieferanten Forte und InnoStyle sich mit ihren Zulieferern gleich auf Exklusiv-Dekore einigten. Forte probiert es mit einer hellen Sandeiche, InnoStyle hält eine dunkle Akazie bereit, die insbesondere den Indien-Exporten etwas entgegensetzen soll.
Die Sortimentsausweitung der Kastenmöbler ist angesichts der anhaltenden Wohnwandschwäche eine logische Konsequenz. Bad und Garderobe wie bei Trendteam, Tvilum oder MCA liegen nahe, doch auch Mediamöbel werden im Zuge des Flachbildschirm-Booms mit Soundsystemen für Anbieter wie Kerkhoff interessant. Nicht nur Kastenmöbler erweitern ihre Sortimente: Der Büromöbelhersteller Topstar fand mit seinem Sprung in den Wohnbereich große Beachtung im Informa-Messezentrum. Wöstmann legte dort mit seiner "S-Kultur" insbesondere bei den Funktionen noch mal nach.
Im Polsterbereich machte sich Steinpol breit wie lange nicht mehr – mit einem Füllhorn an Funktionen und einer riesigen Relax-Sessel-Auswahl. Kein Wunder, denn die Steinhoff-Händler von Conforama bis Kika/Leiner waren ohnehin in der Region unterwegs. Schließlich konnte den eigenen Handelsgruppen erstmals eine "Global Range" präsentiert werden, ein exklusives Vollsortiment, das von Discount bis Mitte reißenden Absatz finden soll.
Ein Hauen und Stechen herrscht nach wie vor im Couchtisch-Segment, das seit der Allegro-Pleite nicht zur Ruhe gekommen ist. Ilert muss sich insbesondere gegen MCA verteidigen, denn Michael Patrick macht hier mit attraktiven Preisen im konventionellen Bereich weiter Boden gut. Daneben entwickelt sich HL Design stetig weiter.
Sehenswert war der Stand von Finori. Von den Oberfranken ist noch einiges zu erwarten, nachdem sie die ersten Schritte in Themenwelten gewagt haben. Bei den Systemlieferanten stach neben den Stralsunder Möbelwerken insbesondere Welle hinaus. Selten hat sich der deutsche Qualitätslieferant so schlüssig und mit derartig vielen Ideen für den POS präsentiert. Eine starke Premiere in der Halle 5.
Die nächsten Wochen und Monate werden nun zeigen, ob die ernsthaften Bemühungen der M.O.W.-Aussteller belohnt werden. Denn wie gesagt: An der Industrie liegt es nicht…
Die M.O.W. 2014 in Zahlen:
406 Aussteller (411 in 2013) aus 34 Nationen (32 in 2013), 228 Aussteller national (234 in 2013), 178 Aussteller international (177 in 2013). Die stärkste Nation bildet Polen (27), vor den Niederlanden (23), Dänemark (17), Italien (15), Frankreich und China (10). Trotz der aktuellen Krisen-Situation zeigen auch Hersteller aus Russland und der Ukraine Präsenz.
Insgesamt verzeichnet die M.O.W. 2014 im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von über 20 Prozent an registrierten Unternehmen. Die stärksten Besuchstage waren Dienstag und Mittwoch. Die Möbelvermarkter reisten aus 57 Nationen an; nach Deutschland folgten die direkten Anrainer Niederlande, Belgien, Österreich und Schweiz. Verstärkt kamen aber auch Vertreter der osteuropäischen Länder.