Joachim Brendel, Geschäftsbereichsleiter Handel, Dienstleistungen, Verkehr, Infrastruktur bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen

"Das Gute findet Innenstadt"

City-Kampagne in Nord-Westfalen nimmt Fahrt auf

Anprobieren, Schmecken, Diskutieren, Beratung erhalten, Bauchentscheidungen treffen. Ein Trip durch die Innenstadt ist so viel mehr als nur Shopping, davon sind die Initiatoren der Kampagne "Das Gute findet Innenstadt" überzeugt. Auf diese schönen Momente müssen die Menschen vorübergehend verzichten – zum Schutz der Gesundheit von uns allen. Doch es gelte, den innerstädtischen Handel in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen, damit sich die Türen vieler Geschäfte nicht für immer schließen. Wir haben den Mit-Initiator Joachim Brendel, Geschäftsbereichsleiter Handel, Dienstleistungen, Verkehr, Infrastruktur bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen, gefragt, wer hinter der Kampagne steckt und worauf sie im Detail abzielt.

möbel kultur: Herr Brendel: Es gibt viele Innenstadtinitiativen. Wodurch zeichnet sich diese im Detail aus?

Joachim Brendel: Die IHK Nord Westfalen und vier weitere Institutionen betonen mit dieser Initiative, dass der Handel vor Ort, in den Ortszentren und Innenstädten, besondere Qualitäten bietet. Wer diese liebgewonnenen Strukturen auch für die Zukunft sichern möchte, muss jetzt handeln. Die Aktion ergänzt als flächendeckend ausgerollte Marke zahlreiche Initiativen vor Ort und bildet damit quasi ein regionales Kampagnen-Dach.

möbel kultur: Was sind die Bestandteile der Kampagne? Was ist nicht Gegenstand der Initiative?

Joachim Brendel: Zunächst einmal generieren wir Aufmerksamkeit über verschiedenste Kanäle, aktuell insbesondere via Instagram und Facebook, aber auch über Anzeigen in der Presse, im Hörfunk sowie im Netz. Hinzu kommen die Kommunen und Einzelhändlerinnen und -händler, die wiederum selbst von besonderen Momenten des Innenstadteinkaufs berichten, die es auch mit Maske und Abstand gibt. Es geht der Initiative nicht darum, die Menschen gleichzeitig und in Massen in die Fußgängerzonen zu locken, sondern darum, achtsam zu bleiben – sowohl gegenüber den Mitmenschen als auch gegenüber den Geschäften vor Ort.

möbel kultur: Auf welche Branchen zielen Sie zuallererst ab? Und auf welche Städte?

"DAS GUTE FINDET INNENSTADT" ist branchenübergreifend. Wegen des Fokus auf die Innenstadt stehen typische Innenstadtsortimente wie Bekleidung, Schuhe, Schmuck oder Bücher im Fokus unserer Bildsprache. Räumlich ist die Kampagne beschränkt auf den IHK-Bezirk, also auf die Region Münsterland und Emscher-Lippe (nördliches Ruhrgebiet).

möbel kultur: Welches Szenario halten Sie für den innerstädtischen Handel für wahrscheinlich?

Joachim Brendel: Das Meinungsbild der Händler in den vergangenen Wochen hat gezeigt, dass mehr als die Hälfte Angst vor dem Aus haben. Es geht darum, den Menschen vor Augen zu führen, was fehlt, wenn die Innenstadtgeschäfte leer stehen und die aktuelle Krise nicht überstehen: Die Ortskerne veröden. Die persönliche Beratung, der Einkaufsbummel mit allen Sinnen, fällt weg. Unsere Annahme: Da draußen sind viele Bürgerinnen und Bürger, denen unglaublich viel an ihren Geschäften liegt und die letztlich dazu beitragen möchten, diese liebgewonnenen Strukturen auch für die Zukunft zu sichern.

möbel kultur: Ändert sich das Konsumverhalten der Verbraucher?

Joachim Brendel: In den vergangenen Monaten haben wir alle gemerkt, wie stark der Onlinehandel durch die Pandemie hinzugewonnen hat. Aber ich bin überzeugt, dass es gelingen kann, den „Erlebnisraum Innenstadt“ weiter zu entwickeln und für breite Bevölkerungsgruppen attraktiv zu halten. Dazu wird auch zukünftig ein attraktiv in Szene gesetzter Einzelhandelsbesatz gehören, in dem es um mehr geht als nur einzukaufen.

möbel kultur: Was sind die nächsten Schritte der Kampagne?

Joachim Brendel: Nach dem Auftakt in der Vorweihnachtszeit überlegen wir, wie der reichweitenstarke Auftakt ins Frühjahr verlängert werden kann. Denn machen wir uns nichts vor: Die Corona-Krise wird uns alle, und damit auch den Einzelhandel vor Ort, noch für längere Zeit herausfordern.

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