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Frankreich – nicht kompliziert, aber anders

Zu Frankreich – Exportmarkt Nr. 1 aus Sicht der deutschen Möbelindustrie – informierte der Ländertag, zu dem die Möbelverbände NRW am 30. November eingeladen haben. 30 Gäste kamen nach Herford,

Zu Frankreich – Exportmarkt Nr. 1 aus Sicht der deutschen Möbelindustrie – informierte der Ländertag, zu dem die Möbelverbände NRW am 30. November eingeladen haben. 30 Gäste kamen nach Herford, um den Vorträgen verschiedener Länderexperten zu folgen. Über kulturelle Unterschiede referierten beispielsweise Olaf Pointeau, MBA und Inhaber von Gefrecom Consulting, ebenso wie Unternehmensberater Winfried Titze. Zum Beispiel seien Technik, Qualität und Serviceversprechen zu einem Produkt deutlich über dessen Design und Preis in der Wertehierarchie französischer Verbraucher angesiedelt. Und Kaufentscheidungen werden schneller getroffen, aber intensiv vorbereitet. Garantieversprechen sind dabei ein wichtiges Verkaufsargument. Die Gestaltungsmacht der Kunden, aber auch die des Möbelhandels in Frankreich werde von deutschen Firmen oftmals unterschätzt. Zu vergleichbaren Fehleinschätzungen verleite auch oft die Landkarte: Im Gegensatz zu Deutschland ist Frankreich beinahe doppelt so groß, die Tourenplanung deswegen außergewöhnlich anspruchsvoll.

Großflächen (außer bei Discountern) und auch Distanzhandel (z. B. Internet) spielen im französischen Möbelvertrieb kaum eine Rolle. Dennoch herrsche eine höhere Preisaggressivität im Vergleich zu Deutschland, „Küchen“ werden häufig über das Mitnahme-Segment und als Einzelmöbel vertrieben, die klassische Einbauküche sei nur bei gut der Hälfte der Haushalte zu finden. Der Durchschnittspreis für Küchen liegt in Frankreich bei ca. 4.500 EUR und damit geringer als in Deutschland, Luxemburg oder erst recht der Schweiz.

VHK-Geschäftsführer Dr. Lucas Heumann betonte nachdrücklich die gut funktionierenden Handelsbeziehungen mit dem Nachbarland. Allein der Küchenexport deutscher Hersteller erreichte 2015 ein Umsatzvolumen von 390 Mio. Euro. Obwohl im Moment der chinesische Markt im Zentrum vieler Diskussionen steht, kommt dagegen das „Land der Mitte“ nur auf 54 Mio. Euro Umsatz, bei einem Bevölkerungsverhältnis von 1 zu 21.

Fazit der Veranstaltung: Obwohl die einzelnen Regionen Frankreichs sehr spezifisch einrichten, werde auf gutes Wohnen insgesamt Wert gelegt. Der Nachholbedarf im Interior Design sei groß, die Chancen damit für deutsche Anbieter beachtlich. Zwei Dinge sollten beachtet werden: Ohne ‚locuteur natif‘ bzw. Muttersprachler wird die Markterschließung in Frankreich schwer. Und: Mit ‚Möbelmarken‘ verbinden Franzosen kaum etwas. Falls doch, dann fast nur mit Herstellern aus dem Inland. Dennoch gelte: „Frankreich ist nicht kompliziert, nur ein wenig anders als Deutschland.“