100% Design und London Design Festival
Die kreative Szene traf sich an der Themse
Swinging London war bis zum Wochenende das Mekka der Design-Fans: Zeitgleich fanden die Messe 100% Design und das London Design Festival statt. Im traditionellen Earls Court ging Englands führendes zeitgenössisches
Swinging London war bis zum Wochenende das Mekka der Design-Fans: Zeitgleich fanden die Messe 100% Design und das London Design Festival statt.
Im traditionellen Earls Court ging Englands führendes zeitgenössisches Design-Event über die Bühne, rund 200 Aussteller präsentierten "100%Design". Im Mittelpunkt: Der "Directors Cut", eine neue Fläche als Showcase mit Entwürfen der zehn einflussreichsten englischen Designer. Diesmal stark vertreten mehrere Ländershows, u.a. aus Norwegen, Frankreich, Ungarn oder Chile bis hin zur "African & African-Caribbean Design Diaspora". Neben Möbeln und Accessoires waren auch originelle Tapeten-Entwürfe präsent. Viele Produkte boten neue Funktionen für bisher ungewohnte Raumnutzungen, daneben ein breites Spannungsfeld für verspielt-ironisches bis hin zu ernsthaften Neuinterpretationen in Sachen Nachhaltigkeit.
Unter dem Label "100% Materials" ergänzte die Messe noch ein breites Spektrum an Produkten der Zulieferindustrie von Fundermax bis Abet Laminati, zusammen mit Ausstellern aus dem Bad-Bereich ergab sich so für deutsche Besucher, die auf Messen klare Warengruppen-Hierarchien gewohnt sind, ein spannender Mix.
Zum 9. Mal ging das London Design Festival an den Start, das größte bisher: Über 200 Aussteller waren dabei, mehr als 280 Events fanden vom 17. bis 25. September quer durch die City von London, meist in kleinen Gallerien und Showrooms, statt. Viele Entwürfe eher als Statements denn als "echte" Produkte gedacht, oft mit englischem Humor. Immer wieder ging es um neue Interpretationen von Interieurs, oft fand sich der Ansatz der Zweitverwertung von Materialien, oft in guter Absicht, formal gestalterisch häufig weniger professionell. Eines der alternativen Zentren: Das "Tent London" mit einer kompakten Show engagierter Newcomer im spannungsreichen Gemäuer einer alten Brauerei in der quirligen, angesagten Brick Lane im Osten Londons.
Zwei der Highlights des London Design Festival bot das historische Ambiente des Victoria & Albert Museums: Gleich am Eingang überraschte die hölzerne "Timber Wave" der Architekten AL_A (Amanda Levete Architects) aus London, eine asymmetrische Spirale aus Eiche von zwölf Metern Durchmesser. Im Innern des Museums dann das "Textile Field" von Ronan und Erwan Bouroullec aus Paris in Zusammenarbeit mit Kvadrat. Von den Besuchern wurde das 240 Quadratmeter große textile Areal sofort erobert: Zum Fühlen, sitzen und abrollen. Umrahmt von sieben großformatigen Raphael-Gemälden erreicht die Installation nach Ansicht von Erwan Bouroullec – ganz philosophisch – "die Qualität einer Kirche".

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