Kompetenz-Zentrum Textil + Sonnenschutz
Halbjahres-Rückblick offenbart kritische Situation
Schlechte Nachrichten aus Wuppertal: Das Kompetenz-Zentrum Textil + Sonnenschutz berichtet im Rückblick auf das 1. Halbjahr 2025 über die wirtschaftliche Lage der Mitgliedsunternehmen. Die veröffentlichten Zahlen geben größtenteils Anlass zur Sorge.
Für die deutsche Textil- und Matratzenindustrie war das erste Halbjahr 2025 von anhaltender Unsicherheit und strukturellen Belastungen geprägt. Laut einer Mitteilung des Kompetenz-Zentrums Textil + Sonnenschutz sahen sich vor allem kleine und mittlere Unternehmen in einem wirtschaftlich angespannten Umfeld mit einer Vielzahl gleichzeitiger Herausforderungen konfrontiert: Die geopolitische Lage – insbesondere die protektionistische Handelspolitik der USA – belastete den Außenhandel und führte zu einem Rückgang der Exportdynamik. Gleichzeitig sorgten eine schwache Binnennachfrage, steigende Kosten, ein akuter Fachkräftemangel sowie zunehmende Bürokratie für wachsenden Druck auf die Wettbewerbsfähigkeit. Die Konsolidierung am Markt, von dem auch die deutsche Textil- und Matratzenindustrie betroffen ist, setzt sich weiter fort.
Deutlich mehr Insolvenzen als im Vorjahr
Die wirtschaftliche Gesamtlage in Deutschland blieb im ersten Halbjahr verhalten: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im zweiten Quartal um 0,3 Prozent, die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stieg im Vergleich zum Vorjahr deutlich an. Auch die deutsche Textil- und Matratzenindustrie verzeichnete in weiten Teilen Umsatzrückgänge, wobei insbesondere kleinere Betriebe überproportional betroffen waren. Zudem leiden die Unternehmen unter den weiterhin steigenden China-Importen, die sich vor allem negativ auf den Umsatz im Onlinegeschäft auswirken. Vor diesem Hintergrund bleibt die wirtschaftliche Erholung fragil – und die Resilienz der KMU ein entscheidender Faktor für die Zukunftsfähigkeit der Branche. Die Unternehmen warten weiterhin auf positive Botschaften und Signale der schwarz-roten Bundesregierung, die dazu ermutigen, Investitionen wie geplant durchzuführen, statt sie vorsichtig anzugehen oder schlimmstenfalls zurückzustellen.
Die Hersteller von Heimtextilien haben im 1. Halbjahr 2025 in der Sparte Deko- und Gardinenstoffe massive Einbußen zu beklagen. Die Nachfrage war nur halb so groß wie im Vorjahr (-46,4 %), der Umsatz blieb mehr als ein Drittel hinter dem Vorjahr zurück (-35,1 %). Möbelbezugsstoffe haben sich mit +3,6 Prozent bei Absatz und Umsatz positiv entwickelt. Bettwaren waren verstärkt nachgefragt (+3,7 %), der Umsatz mit -3,0 % jedoch rückläufig. Zu Textilen Bodenbelägen lagen leider keine Zahlen vor.
Matratzenhersteller melden hohe Umsatzverluste
Die Matratzenhersteller haben für das 1. Halbjahr 2025 einen Umsatzverlust von -8,7 Prozent zu beklagen, beim Absatz wurde ein leichtes Plus von 2,4 Prozent erzielt. Dennoch ist die Kaufzurückhaltung bei fast allen Technologien und Warengruppen erkennbar. Einzig Schaum (+11,9 % Absatz, Umsatz +/- 0) und Sonstige (+23,6 % Absatz, +2,7 % Umsatz) haben sich positiv entwickelt. Mit jeweils rund einem Viertel Rückgang bei Absatz und Umsatz ist Latex größter Verlierer. TFK (-10 % Absatz, -16,9 % Umsatz) mit weniger Verlusten als Einstiegsprodukt Bonnell. Bei den Warengruppen haben Unterfederungen und Boxspring mit -16 Prozent (Absatz) und -12 Prozent (Umsatz) ähnlich hohe Verluste zu beklagen.
Beim maßgefertigten innenliegenden Sicht- und Sonnenschutz war der Umsatz im 1. Halbjahr 2025 leicht rückläufig (-0,3 %). Größter Verlierer war die von Verbrauchern genutzte Produktgruppe Doppelrollo (-11,5 % Absatz, -14,0 % Umsatz). Auch die am stärksten vertretene Produktgruppe Plissee blieb hinter dem Vorjahr zurück (-4,0 % Absatz, -1,7 % Umsatz). Auffällig ist, dass der Saisonartikel Insektenschutz erstmalig leichte Verluste zu beklagen hat (-3,1 % Absatz, -1,0 % Umsatz).
Erneuter Appell an die Bundesregierung
Die neue Bundesregierung ist mehr als fünf Monate im Amt. Es ist längst überfällig, dass sie ihre Versprechungen und Pläne in die Tat umsetzt, damit die deutsche Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs kommt. Das erste Halbjahr 2025 hat gezeigt: Die kleinen und mittleren Unternehmen der deutschen Textil- und Matratzenindustrie stehen unter massivem Druck. Sie kämpfen mit lähmender Regulierung, langsamen Verfahren und digitaler Rückständigkeit. Die Branche erwartet jetzt konkrete Maßnahmen: für mehr Wettbewerbsfähigkeit, weniger Bürokratie und eine verlässliche Industriepolitik, die den Mittelstand und damit den Produktionsstandort Deutschland stärkt.

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