RWK Kuhlmann
Neuer Schwung ohne chinesische Beteiligung
„Wir sind jetzt wieder für alle Kunden offen und können unabhängig entscheiden.“ Mit diesen Worten beschreibt Ralf Marohn im Redaktionsgespräch den Befreiungsschlag, der sich durch seine Übernahme fast aller Anteile
„Wir sind jetzt wieder für alle Kunden offen und können unabhängig entscheiden.“ Mit diesen Worten beschreibt Ralf Marohn im Redaktionsgespräch den Befreiungsschlag, der sich durch seine Übernahme fast aller Anteile an RWK & Kuhlmann Küchen ergibt. Formal bleibt der chinesische Möbelhersteller Boloni zwar noch Minderheitsgesellschafter („aus juristischen Gründen mit sehr geringen Anteilen“), doch die Hürden, die zuvor Entscheidungsprozesse blockiert oder verzögert haben, bestehen nun nicht mehr, freut sich Marohn.
Zum Hintergrund: Die Umsatz-Erwartungen, die mit dem Übernahme-Deal 2014 verbunden waren und RWK Kuhlmann aus der Insolvenz gerettet haben, wurden nicht erfüllt. Zum einen habe sich Boloni, der als einer der größten chinesischen Küchenhersteller gilt, strategisch anders entwickelt und sei als Gruppe zum universellen Wohnlieferanten expandiert, zum anderen wurde das Ziel, RWK Kuhlmann als Premiummarke „made in Germany“ auf dem chinesischen Markt zu positionieren, nicht ausreichend umgesetzt. Die langen Lockdown-Zeiten im Zuge der Corona-Pandemie haben ebenso dazu beigetragen, dass der erwartete Umsatz aus China ausblieb.
Das strategische Invest der Chinesen mit etwa 10 Mio. Euro habe dem Unternehmen indes zu neuer Kraft verholfen, wie Marohn im Gespräch mit der Redaktion betont: So gelang schließlich 2019 der Umzug von Enger nach Löhne in ein moderneres, größeres Werk und zugleich konnten Prozesse optimiert werden. Darauf baut nun China-Kenner Ralf Marohn auf und will mit seinem eigenen Netzwerk neue Kunden im „Land der Mitte“ finden. Darüber hinaus wurde Frankreich, als größter Exportmarkt aus deutscher Sicht, noch zu wenig bearbeitet. Neben weiteren Auslandsmärkten wie Kanada und USA wird das Unternehmen (mit 65% Exportanteil von fast 20 Mio. Euro Umsatz p.a.) auch Deutschland wieder mehr ins Visier genommen. „Wir können in puncto Individualisierung mehr leisten als viele andere, unsere Reklamationsquote liegt unter einem Prozent und wir schreiben unsere Rechnungen erst, wenn wirklich alles ausgeliefert ist,“ sieht der Inhaber die besonderen Stärken des 100-Mitarbeiter-Betriebs. Dazu werden nun Gespräche mit den einschlägigen Küchenverbänden aufgenommen, auch die Zusammenarbeit als OEM-Lieferant sei bei entsprechenden Umsatzperspektiven nicht auszuschließen. Obwohl noch keine Kontakte bestehen, kämen dafür beispielsweise nach der Störmer-Insolvenz Kooperationen mit V&B und Musterring in Frage.
In jedem Fall wird Marohn selbst wieder ins operative Geschäft einsteigen und die weiteren Schritte maßgeblich einleiten. Während Hilmer Fröhlich als Geschäftsführer an Bord bleibt, wird jedoch der bisherige zweite Geschäftsführer Christian Reupke seine Aufgaben sukzessive abgeben und spätestens zum Jahresende ausscheiden. „Für zwei Vertriebsmanager sind wir doch zu klein“, erklärt Marohn den einvernehmlichen Abschied. Außerdem wird komplett auf Handelsvertreter umgestellt.
Neues im Produktbereich wird zur Küchenmeile im September gezeigt: Aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums zählt dazu die kompakte Premiumküche „Kitchoo“ als Schweizer Lizenzprodukt, die RWK Kuhlmann nicht nur für Apartmenthäuser in drei Varianten vertreibt.

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Sie haben noch kein Konto?
Jetzt registrieren