E-Commerce 2012

58 Prozent plus – Umsatzexplosion von Möbeln im Internet

Mit Spannung erwartet wurde heute die Bekanntgabe der Umsatzzahlen, die der interaktive Handel 2012 verbuchen konnte. Auf der heutigen Pressekonferenz des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels (bvh) in Hamburg war der

Mit Spannung erwartet wurde heute die Bekanntgabe der Umsatzzahlen, die der interaktive Handel 2012 verbuchen konnte. Auf der heutigen Pressekonferenz des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels (bvh) in Hamburg war der Andrang des Journalisten größer denn je – auch "Süddeutsche Zeitung", "FAZ" oder "Die Zeit" waren vor Ort. Dass auch moebelkultur.de live dabei war, lohnte sich, denn nach einem Jahr der Stagnation – 2011 konstantierte der bvh ein Minus von sechs Prozent -, stand das vergangenen Jahr ganz im Zeichen von Möbeln und Einrichtungsgegenständen. Die Gründe für das Wachstum: Neue Anbieter und eine zunehmende Professionalisierung der Online-Prozesse im Living-Segment wie Christoph Wenk-Fischer Hauptgeschäftsführer des bvh zusammenfasste. Auch von einer Neckermann-Delle sei nichts zu spüren gewesen. Die Umsätze des im Möbelsegment traditionell starken Versenders hätten sich rasend schnell umverteilt. Bei aller Euphorie gab Thomas Lipke, Präsident des bvh, aber auch zu bedenken, dass sich der Wettbewerb dramatisch verschärft habe und die Margen empfindlich dünn geworden seien. "Umsatz ist nicht gleich Ertrag. Auch das hat das vergangene Jahr deutlich gezeigt", so Lipke.
Nun aber zu den Zahlen: Das Wachstum der gesamten Versandhandelsbranche gegenüber dem Jahr 2011 war noch weit höher als in den Vorjahren und lag mit 15,6 Prozent erstmals seit Durchführung der Studie über 15 Prozent. Die Branche realisierte einen Gesamtumsatz von 39,3 Mrd. Euro. Auch der Anteil am gesamten Einzelhandel stieg auf den neuen Spitzenwert von 9,2 Prozent (2011: 8,2 Prozent). Möbel und Dekorationsartikel schnitten dabei überdurchschnittlich ab. Über alle Versandhandelskanäle legten Einrichtungsgegenstände um 22 Prozent zu, was einem Umsatz von 1,92 Mrd. Euro (2011: 1,57 Mrd.) entspricht. Die im Internet generierten Verkäufe isoliert betrachtet konnten die Versandhändler ihre Umsätze sogar um 58 Prozent steigern – ein Sprung von 720 Mio. auf 1,27 Mrd. Euro. Benachbarte Warengruppen legten ebenfalls zu, wie etwa Haushaltswaren und Haushalts-Kleinartikel, die von 590 auf 870 Mio. Euro stiegen (Online isoliert: 580 Mio. Euro). Auch Textilien entwickelten sich besonders im Internet überdurchschnittlich gut. Über alle Versandhandelskanäle konnten sie gerade mal 6 Prozent dazugewinnen (1,51 Mrd. Euro), im Internet legten sie allerdings stolze 56 Prozent zu (670 Mio. Euro).
Zweifel an diesen Boom-Zahlen? Natürlich handelt es sich bei dem bvh um einen Lobby-Verband, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Dynamik des Versandhandels zu promoten. Dennoch stehen die Zahlen auf einer soliden methodischen Grundlage. Die Untersuchung ist im vergangenen Jahr bereits zum siebten Mal vom Bielefelder Forschungsinstitut TNS Infratest im Auftrag des bvh durchgeführt worden. Dafür wurden rund 30.000 Privatpersonen aus Deutschland im Alter von über 14 Jahren von Januar bis Dezember 2012 zu ihrem Ausgabeverhalten im Online- und Versandhandel befragt.
Bei der Erhebung werden auch die unterschiedlichen Vertriebskanäle untersucht. Im Jahr 2012 gab es in dieser Hinsicht drei Gewinner, die ihre Gesamtumsätze deutlich steigerten. Auf Platz eins rangieren die Internet-Pure-Player. Sie legten 2012 gegenüber dem Vorjahr um 40 Prozent zu, gefolgt von Stationärhändlern, die zusätzlich im Netz oder per Katalog aktiv sind. Diese verzeichneten ein Wachstum von 22 Prozent. Auch die Teleshopping-Versender konnten ihr Geschäft um 7 Prozentpunkte ausbauen. Bei den reinen Online-Umsätzen gab es ebenfalls drei eindeutige Gewinner. Besonders hervorzuheben sind auch hier die Teleshopping-Versender, die gegenüber dem Vorjahr um 57 Prozent zugelegt haben. Es folgen die Internet-Pure-Player, die ein Umsatzwachstum von 42 Prozentpunkten verzeichnet haben. Auch die Stationärhändler konnten ihr Online-Geschäft um 35 Prozentpunkte steigern.