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Die M.O.W. 2016 ist vorüber ? und hat einen sehr nachhaltigen Eindruck hinterlassen.
23.09.2016 14:43 Uhr

Die M.O.W.-Analyse Es lebte die (ausländische) Vielfalt

Die M.O.W. 2016 ist vorüber – und hat einen sehr nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Denn eines muss man Bernd Schäfermeier und seiner konzeptionellen Ausrichtung der Messe lassen: Bis auf den obersten Hochwertbereich ist mittlerweile für jeden Einkäufer auf dem Messeparkett in Bad Salzuflen etwas zu finden. Dementsprechend selbstbewusst erklärte der Messechef, dass zur M.O.W. auf 80.000 qm „Maßstäbe für die Möbelvermarktung“ gesetzt würden. Erst recht mit 9.000 qm neu gestalteten Dauerausstellungen in diesem Jahr.

Auch in anderer Hinsicht setzte die M.O.W. 2016 Benchmarks, denn erstmals stellten mehr ausländische Firmen als deutsche aus. Dass die Insolvenzen der Vergangenheit dafür der Hauptgrund sind, steht außer Frage. Wackenhut ist weg, Domina war schon nicht mehr dabei, Arte M lieferte eine Abschiedsvorstellung und und und. Die Lücken füllten wieder etablierte Ausländer von A. Brito über Girardeau bis hin zu Größen wie Cotta oder Istikbal. Die M.O.W. 2016 ist somit wohl mehr denn je ein Seismograph der veränderten Branchenstrukturen gewesen. Etwas seltsam erscheinen in diesem Kontext allerdings vereinzelte Kommentare aus dem Handel, in denen beklagt wird, dass die Anzahl deutscher Hersteller kontinuierlich abnimmt. Man müsse ja direkt schauen, wer noch da ist, hörte man Einkäufer sagen, als wenn sie lediglich Leidtragende, nicht aber Mitverursacher dieser Entwicklung seien. Der Verdacht liegt nahe, dass in den vergangenen Tagen die ein oder andere Krokodilsträne geflossen ist. Vielleicht sollte man deshalb einmal das Unternehmen Wellemöbel herausstellen, das mit vielen guten Detailideen dem eigenen Anspruch wieder gerecht werden konnte. Das wäre ja einer dieser deutschen Hersteller, auf den der Handel noch bauen kann.

Einen Vorteil für die Aussteller in Bad Salzuflen bringt das ausländische Übergewicht in der Ausstellerstruktur allerdings mit sich: Die Zahl der ausländischen Einkäufer nimmt ebenso zu, das gilt in besonderem Maße für Benelux und Frankreich.

Die Ware einiger Importeure ist zugebenermaßen nur schwer zu schlagen – und wenn vielleicht noch in der Qualität, dann aber kaum im Preis. Und in der Sortimentsbreite so gut wie gar nicht, wie MCA und Trendteam/Inter-Furn auf nun mehr als 2.000 qm unter Beweis stellten. Die von Ralf Müller und seinem Team übernommen und weiterentwickelten Kerkhoff-Modelle werden Inter-Furn sicher einen Schub verleihen. Immer einen Besuch wert ist auch IMV Steinheim, wo wieder zwei stimmige neue Kollektionen zu sehen waren. Über ein sehr gut strukturiertes Sortiment verfügt auch Quadrato. Und Finori gewinnt langsam aber sicher eine Marktpräsenz, die es für Stefan Finzel und seiner Mannschaft unmöglich macht, weiter unter dem Radar zu fliegen.

Berappelt hat sich die IMS Group, die sich – nicht zuletzt dank Dr. Olaf Hoppelshäuser als CEO – endlich wieder um Vertrieb und Produktentwicklung und nicht um interne Strukturen kümmern kann. Das gilt auch für Demeyere. Die Franzosen wollen mit dem neuen Export-Vertriebsteam bestehend aus Joachim Böffgen, François Huchin, Clément Boiroux und Vanessa Guerlet-Massoud die DACH-Region stabilisieren und insbesondere mit auf den deutschen Markt zugeschnittenen Produkten hierzulande Gas geben.

Für Farbtupfer sorgten wie gewohnt Sit (mit Tuktuk-Bars und Tatra-Theken), Wood Times by C. Melchers, Inter-Link, Actona, aber auch der niederländische Newcomer Livingfurn mit der Marke Brix.

Im Polsterbereich überzeugte u.a. Cotta. Um sein boomendes Deutschlandgeschäft weiter zu festigen hatte das Unternehmen erstmals Relaxsessel im mittleren Preissegment entwickelt. Bei Easy Sofa wurden unterdessen ganz neue Modelle mit Funktion präsentiert. Auf das Interesse der Besucher stießen aber auch Goldammer, Verholt und Poldem, die in diesem Jahr gemeinsam unter dem Namen Sedaro auftraten und künftig neben Einkauf und Produktion auch im Bereich Vertrieb gemeinsame Sache machen wollen. Neu schickte die Agentur Möbel im Karton auch Kragelund mit schönen, handwerklichen, skandinavischen Polstermöbeln an den Start. Newcomer zudem: Hollgi’s, hinter dem sich Holger Dieckbreder verbirgt, der u. a. moderne Schaukel-Polstermöbel mit im Gepäck hatte.

Die M.O.W. untermauerte mit dieser Vielfalt ihren Status als Einkaufsplattform im Herbst. Zusätzliches Gewicht wird im kommenden Jahr Forte verleihen. Die Polen bauen auf dem M.O.W.-Areal einen Showroom und verstärken als assoziiertes M.O.W.-Mitglied die polnische Fraktion. Schon in diesem Jahr stellte Polen die meisten ausländischen Aussteller. Man kann es drehen oder wenden, wie man will: Die M.O.W. ist ein Kristallisationspunkt der Branchenstrukturen.

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