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Die Kämpfe um Alno gehen weiter.
11.08.2017 13:10 Uhr

Alno War Max Müller Opfer seines guten Willens?

Während die Insolvenz läuft und alle Beteiligten bangen, ob der Alno-Konzern überhaupt noch eine Zukunft hat, bringt die „Schwäbische Zeitung“ heute neue Fakten ins Spiel, die ein anderes, wenngleich weiterhin diffuses Licht auf die Beweggründe der vielzitierten „Machtkämpfe“ werfen.

Darin heißt es beispielsweise, „die einstigen Hoffnungsträger sind nur noch Zuschauer, Statisten – von denen entmachtet, die Müller und Demirtas im Sommer 2016 geholt hatten, um sich bei der endgültigen Alno-Rettung helfen zu lassen: rausgedrängt von der bosnischen Familie Hastor, die sich über ihre Gesellschaft Tahoe an Alno beteiligt hat.“ Andererseits stelle sich die Frage: War es notwendig, beide Vorstände als „inkompetente Manager“ zu entlassen, weil sie jahrelang den Turnaround nicht geschafft haben?  Geht es bei Müller/Demirtas nun um „gekränkte Eitelkeit“ oder um den verzweifelten Kampf, in einer letzten Chance doch noch etwas am Pfullendorfer Unternehmen zu retten?

Stichhaltige Antworten darauf hat auch die „Schwäbische Zeitung“ nicht gefunden, doch berichtet sie, dass Tahoe Geld zugesagt habe, das dann doch nicht geflossen ist und damit die Lieferprobleme und letztlich die Insolvenz mitprovoziert hat. Damit wäre der alte Vorstand geprellt worden. Zudem liege ein Börsenprospekt für eine Kapitalerhöhung vor, den die Bafin in zweiter Prüfung bereits abgesegnet hatte. "Bei dieser Kapitalerhöhung sollten Schulden in Höhe von 50 Millionen Euro in Eigenkapital umgewandelt werden und weitere 35 Millionen Aktien gegen Bargeld ausgegeben werden. Mit der Umwandlung der Schulden, der die Gläubiger bereits zugestimmt hatten, sollte Alno entschuldet werden, mit den Barmitteln die Zukunftsinvestitionen gestemmt werden. Und für die Beteiligung mit Aktien im Wert von 35 Millionen Euro hatte Max Müller die Hastors vorgesehen.“

Überhaupt sei die Entwicklung, dass Tahoe (Prevent-Gruppe) die Macht über den Alno-Konzern übernehmen wollte, von Seiten der Alno-Vorstandsmitglieder nicht beabsichtigt gewesen: „Sie haben nicht nach einem Mehrheitsaktionär gesucht, sondern nach einem Partner, der sich an der Sanierung von Alno beteiligt“, schreibt die „Schwäbische“.

Demgegenüber wird Alexander Gerstung, der für die bosnische Familie im Aufsichtsrat sitzt, zitiert: „Alno ist eine etablierte Marke mit qualitativ hochwertigen Produkten, und einer sehr treuen, gut ausgebildeten Belegschaft. Wir wollen nicht zerlegen und verkaufen, sondern wir haben bereits investiert und wollen das auch weiter tun, um so aus dem Sanierungsfall wieder ein prosperierendes Unternehmen zu machen.“

Dass trotz allem Tahoe/Prevent kein weiteres Geld investiert haben, um die Insolvenz abzuwenden, ist indes eine Tatsache und der „Dual Track“ mit Suche nach weiteren Investoren klingt nicht nach großem Engagement. Ob sie die Rettung dennoch aufgegeben haben, wird sich vielleicht Ende Oktober zeigen. Falls bis dahin nicht neue oder eben wieder alte Beteiligte wie die First Epa mit Alnos Ex-Finanzchefin Ipek Demirtas das weitere Schicksal des Küchenkonzerns bestimmen. Solange gekämpft wird, gibt es zumindest noch Hoffnung auf Zukunft.

Anmerkung:

In einem spontanen Feedback stellt der Sprecher des Alno-Konzerns einige Sachverhalte aus dem Artikel als nicht richtig dar – insbesondere was zugesagte, aber nicht gezahlte Geldsummen angeht sowie die angesprochene Kapitalerhöhung. Dazu will der Konzern selbst noch einmal Stellung beziehen.

 

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