Ambiente-Special

5 Fragen an... Nicolette Naumann (Bereichsleiterin Ambiente)

"Aus strategischer Sicht"

Frage 1: Um 180 Grad gedreht

möbel kultur Lifestyle: Die Ambiente hat sich um 180 Grad gedreht. Was ist neu für die Gäste? Dürfen die Messebesucher auch konzeptionell neue Wege erwarten?

Nicolette Naumann: Zur Ambiente 2010 erwartet die Besucher das bewährte, vielfältige Angebot internationaler Anbieter im Rahmen einer neuen, zeitgemäßen Struktur: Living und Giving wechseln auf das Westgelände und belegen die Hallen 8, 9, 10 sowie die neue Halle 11. Dining wandert auf die östliche, stadtnahe Seite des Messegeländes und belegt ab 2010 die Hallen 1 bis 6. Mit der aktuellen, markt- und kundenorientierten Aufplanung des Messegeländes bekommen auch die Themen Wohnen, Einrichten und Design mehr Raum zum Wachsen – vor allem durch die neue Halle 11, die erstmals in die Hallenplanung integriert wurde und Raum für qualitatives Wachstum bietet. Ziel des neuen Konzepts ist es, unseren Besuchern zu ermöglichen, ihren Messebesuch verstärkt nach strategischen Gesichtspunkten auszurichten. Ob Design, Endverbrauchermarken oder Volumengeschäft – dank der innovativen Struktur können die Messehallen gezielt nach den eigenen Schwerpunkten und Interessen aufgesucht werden.

Frage 2: Designkompetenz

möbel kultur Lifestyle: Fast alle Messen im internationalen Wettbewerb versuchen, sich über ihre Designkompetenz zu profilieren. Welche Bedeutung hat das Segment Interieur und Design inzwischen auf der Ambiente? Und was macht Frankfurt anders als andere Messeplätze?

Nicolette Naumann: Das Thema Design ist traditionell eng mit der Ambiente verbunden. Uns als Messeveranstalter ist es wichtig, dieses Thema in den Kontext von Konsumgütermessen zu integrieren – sei es durch Preisverleihungen, Trendinszenierungen oder Vortragsreihen. In diesem Jahr profitieren unsere Besucher von Hallen mit klaren Designschwerpunkten: Das ist zum einen die Halle 11.0, in der sich ,Loft‘ präsentiert, traditionell die Plattform für Design und Lifestyle. Gemeinsam mit ‚Young & Trendy’ in der Halle 11.1 wird die gesamte Halle 11 zum ‚Design-Zentrum‘ der Ambiente. Modernes Tischdesign steht bei ‚Table Contemporary Design‘ in der Halle 4.0 im Mittelpunkt und bei den ‚Kitchen Trends‘ in Halle 1.1 und 1.2 liegt der Schwerpunkt auf Küchenaccessoires mit Designcharakter. Besonderen Wert legen wir auf die intensiven Beziehungen zu internationalen Designern, die über viele Jahre gewachsen sind. Nehmen wir beispielsweise Matalie Crasset, seit 15 Jahren einer der wichtigsten Köpfe der internationalen Designszene – ihre erste Sonderschau fand im Rahmen der Ambiente statt und noch heute ist unser Kontakt zu ihr intensiv. Unsere Beziehungen zu Designern sind nicht temporär und werden mit dem Ende einer Veranstaltung keineswegs ad acta gelegt – wir setzen auf nachhaltige Kontaktpflege und arbeiten intensiv daran, bestehende Partnerschaften lebendig zu halten. Auf diese Nachhaltigkeit zielt auch unser Förderprogramm ‚Talents‘ ab: Wir knüpfen erste Kontakte zu Jungdesignern, die etablieren sich in der Branche und bleiben mit uns verbunden. So hat sich im Laufe der Jahre ein Netzwerk etabliert, das die stabile Basis unserer Designkompetenz bildet.


Frage 3: Impulse

möbel kultur Lifestyle: Messen haben sich längst von reinen Orderplattformen zu Kommunikationszentren entwickelt. Welche besonderen Impulse bekommen die Besucher auf der Ambiente?

Nicolette Naumann: Das vielfältige Produktangebot unserer Aussteller sowie die zahlreichen Preisverleihungen und Trendinszenierungen machen den Besuch der Ambiente so wertvoll. Es gilt hier, nicht nur Neuheiten zu entdecken, sondern die Konsumgüterbranche in all ihren Facetten zu erleben. Der Deutsche Designpreis z. B. ist eine der bedeutendsten Auszeichnungen der Designbranche – auch 2010 wird die Ambiente mit seiner Verleihung feierlich eröffnet. Aber auch Auszeichnungen wie Design Plus oder der Negativpreis Plagiarius haben sich einen Namen gemacht. Die Präsentation der Trends ist auch in diesem Jahr wieder eines der Highlights – das Stilbüro bora.herke hat die wichtigsten Strömungen der kommenden Saison in vier Trendwelten zusammengefasst. Nicht verpassen sollten Besucher die Präsentation von Gerd Sommerlade: Er erzählt die 300-jährige Geschichte der deutschen Porzellankultur in einer beeindru­ckenden Produktpräsentation. Und nicht zuletzt sorgen unsere beiden Förderprogramme ,Talents‘ und ‚Next‘ für frische Designimpulse.

Frage 4: Trends

möbel kultur Lifestyle: Welche Trends spielen für 2010 eine entscheidende Rolle?

Nicolette Naumann: 2010 geht es nicht nur um schnelllebige Tendenzen, sondern vielmehr um die Rückbesinnung auf Werte, auch ausgelöst durch die momentan unsichere wirtschaftliche Lage. Sich in den eigenen vier Wänden wohlfühlen, Familie und Freunde um sich haben, Gastlichkeit leben – Homing ist das Stichwort, das 2010 prägen wird. Dabei spielt nicht nur eine schöne Einrichtung eine Rolle, Genusskultur und stimmungsvolle Dekoration werden ebenfalls großgeschrieben. Auch die zwischenmenschlichen Beziehungen werden wieder intensiver gepflegt: Auf wertige Geschenke und Aufmerksamkeiten wird deshalb ebenfalls großen Wert gelegt.

Frage 5: Stimmung

möbel kultur Lifestyle: Wie ist die Stimmung und sind die Erwartungen in der Konsumgüterindustrie?

Nicolette Naumann: In Deutschland und Europa hat sich die wirtschaftliche Krise nicht unmittelbar auf das Konsumentenverhalten ausgewirkt. Die Absatzzahlen hierzulande und auch in den meisten europäischen Ländern sind
stabil. Dabei kommt der Branche die bereits oben erwähnte Tendenz zum Homing zugute: Die Konsumenten halten sich zwar bei großen Investitionen zurück, nicht aber bei Produkten, die die eigenen vier Wände verschönern oder die einfach Freude machen, ohne viel Geld zu kosten.
Doch die Ambiente ist die internationale Leitmesse der Branche und der Großteil unserer Kunden arbeitet exportorientiert und konzentriert sich nicht nur auf Deutschland und Europa, sondern ist global tätig. Die weltweite Situation ist immer noch sehr angespannt, die Stimmung würde ich als vorsichtig optimistisch bezeichnen. Bei weltwirtschaftlichen Stürmen hat sich die Ambiente immer als Fels in der Brandung erwiesen – sie zeigt sich als unumstrittene Marketingplattform und profitiert dabei von der Tatsache, dass wir früh und konsequent auf Internationalisierung gesetzt haben: Rund 70 Prozent der Aussteller und 40 Prozent der Besucher reisen aus dem Ausland nach Frankfurt. Auf der Ambiente erschließen Unternehmen die Kontakte zu neuen Absatzmärkten, hier knüpfen Händler Kontakte zu neuen Lieferanten mit individuellen Produkten.

Das Gespräch führte Rita Breer.