Möfa: Was gefällt Ihnen besonders am Lehrerberuf?
Sarah Lehmler: Ich habe während meiner eigenen Schulzeit viel Nachhilfe für jüngere Klassen-stufen in größeren oder kleineren Gruppen angeboten. Hauptsächlich ging es damals um einen kleinen Nebenverdienst, der mir zusätzlich noch Spaß machte, aber Lehrer wollte ich selbstverständlich wie jeder Jugend-
liche auf gar keinen Fall werden. Bei den verschiedenen Sachbearbeiter-Tätigkeiten, zum Beispiel während und nach meiner Aus-bildung zur Bankkauffrau und
in der Berufs- und Ausbildungsvermittlung der Arbeitsagentur nach Abschluss meines Studiums, war ich schon nach relativ kurzer Zeit unzufrieden und entschied mich, über die Anerkennung meines Diploms ins Referendariat zu gehen. Mir fehlte die unmittel-bare Interaktion mit den Leuten. Die gemeinsame Arbeit mit Schülern macht mir sehr viel Spaß, ist erfrischend, und kein Tag ist wie der andere.
Möfa: Welche Fächer unterrichten Sie jetzt an der Möfa?
Sarah Lehmler: Ich unterrichte theoretisch alles außer den warenkundlichen Fächern, momentan liegt der Schwerpunkt auf Mathematik, FHR, BWL und VWL. Hier unterrichte ich die Betriebswirte, die Assistenten sowie die Schüler der Berufsschule.
Möfa: Mathematik in der Schule – für viele ein Angstfach. Was kann man da aus Ihrer Sicht tun, um solche Ängste abzubauen?
Sarah Lehmler: Während meines Referendariats wurde ich in den Fächern Wirtschaft und Handel ausgebildet. Die Lehrbefähigung für Mathematik habe ich noch nebenbei erworben. Weil ich das Fach selbst immer schon gerne gemacht habe, wollte ich es natürlich auch unterrichten dürfen. Die Schüler, die zu uns ans Berufskolleg bzw. an die Fachschule kommen, haben häufig in den Zubringerschulen schlechte Erfahrungen im Fach Mathematik gemacht, da sie keine Verbindung zwischen dem Rechnen im Unterricht und ihrem täglichen Leben herstellen konnten. Mit dem wirtschaftlichen Schwerpunkt sind wir nun prädestiniert, diese „Zahlen und Buchstaben“ mit Leben zu füllen, sprich, den Anwendungsbezug hervorzuheben und zu verdeutlichen. Gerade auch mit der stärker beruflich orientierten Motivation, mit der die Schüler und Studierenden zu uns kommen, sind sie eher bereit, sich auf Mathematik vielleicht noch einmal aus einem anderen Blickwinkel einzulassen.
Möfa: Ganz grundsätzlich: Was macht nach Ihrer Einschätzung heute gute Bildungs- oder Erziehungsarbeit aus?
Sarah Lehmler: Natürlich soll der Unterricht die Schüler und Studierenden von der fachlichen Seite her dazu befähigen, ihre spätere Tätigkeit kompetent ausführen zu können. Ein handlungsorientiertes Leitbild schult dabei Problemlösekompetenz und Kreativität. Dadurch entwickelt sich eine gewisse Flexibilität, in Zukunft auch bisher unbekannte Probleme angehen zu können und ganz besonders, diese Herausforderung auch anzunehmen. Auf den Nebenschauplätzen wird aber in der Schule noch so viel mehr gelernt, zum Beispiel die Präsentation der eigenen Person, der wertschätzende Umgang miteinander, produktive, gemeinsame Arbeit und damit auch Frustrationstoleranz, wenn es einmal nicht wie gewünscht läuft. Schüler und Studierende sollen am Unterricht partizipieren, ihn mitgestalten. Dazu gehört natürlich auch, dass Schule und Unterricht Spaß machen sollen!
Möfa: Wie vertraut sind Ihnen der Handel im Allgemeinen und die Einrichtungsbranche im Besonderen?
Sarah Lehmler: Die Schwerpunkte meines Studiums der Wirtschaftspädagogik lagen im Management der Bereiche „Handel“ und „Gesundheitswesen“. In meiner Studienzeit habe ich zudem am Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk gearbeitet. Es ging dort um die Entwicklung, Erprobung und Evaluation von Fortbildungsmaßnahmen. Ansprechpartner waren hier unter anderem auch Tischler und Schreiner. Gegenwärtig vertiefe ich spezifische Branchenkenntnisse, unter anderem durch die Teilnahme an Exkursionen.
Möfa: Die Lehrerin privat: Was machen Sie gerne in der Zeit nach dem Möfa-Unterricht?
Sarah Lehmler: Ich habe eine Leidenschaft für Schuhe und Kleider. Außerdem nähe ich gerne, jedoch nur für Eigenbedarf und Freunde. Und ich liebe Musik, Styling und Lifestyle der 50er und 60er Jahre. Ich fahre einen Chevrolet Caprice, der sogar noch zwei Jahre älter ist als ich selbst.
Vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Ihnen eine schöne und erfolgreiche Zeit an der Möfa.
Foto: Sabine André
Text: Diana Tomasi