Selbst vor dem Hintergrund der weltweit wachsenden Bevölkerung kommen europäischen Unternehmenslenkern Zweifel, an diesem Wachstum teilhaben zu können. Dort, wo die Bevölkerung wächst, gibt es nur sehr wenige Menschen, die die Kaufkraft und das Interesse besitzen, ihre Domizile nach den Vorstellungen der westlichen Kultur einzurichten. Diese Märkte werden schon heute nur von wenigen Spezialisten bedient – und das auch nicht mit gleichbleibendem Erfolg.
Wachstumspotenzial in Deutschland und Europa wird es im gelernten und hergebrachten Sinne durch Zunahme der Bevölkerung, Vergrößerung der Wohnflächen und durch wachsende Kaufkraft für Einrichtungen nur in wenigen Ländern für kurze Phasen geben. Uns und unsere Wirtschaft treibt in Europa vorerst keine grundlegende Innovation an. Folgen wir mal den Konjunkturwellen von Nikolai Kondratieff (russischer Ökonom, der 1938 für seine Thesen der langen Konjunkturwellen des Kapitalismus in Sibirien hingerichtet wurde). Diese Konjunkturwellen haben Längen von ca. 40 bis 60 Jahren. Sie dokumentieren die Wirkung von Innovationen auf die Weltwirtschaft. Diese Innovationen, wie z.B. Dampfmaschine (1815), Eisenbahn (1873), Elektrischer Strom (1918), Auto, individuelle Mobilität (1973) und Informationstechnik (2002) haben die Weltwirtschaft solange angetrieben, bis eine hohe Bedarfsdeckung und kein wirklich neuer Mehrwert für die Menschheit und deren Sozialsysteme zustande kam. Dies ist pro Land häufig um ein paar Jahre verschoben – je nachdem welche Kultur und Denkweise die Innovation ablehnte oder förderte.
Heute haben wir keinen dieser Treiber. Gentechnik, Nano- und Biotechnologie haben noch nicht bewiesen, dass sie einen elementaren Schub für die Gesamtbevölkerung auslösen können. Wird es dann in Europa wieder einen Aufschwung – einen wirklich langfristigen Aufschwung – geben können? Wie werden wir in der Möbelbranche davon profitieren? Gibt es überhaupt eine Möglichkeit, daran teilzunehmen? Zumal die nächste prognostizierte Konjunkturwelle eine Welle der Gesundheit sein soll. Andere gehen weiter und sagen, es wird eine Welle im Sozialverhalten sein. Eine Entwicklung, die es möglich macht, unstrukturierte Informationen zu verarbeiten. Denn die Informationsflut wächst noch dynamisch und Informationen fließen in alle Richtungen und nicht nur – wie häufig gewohnt – von „oben“ nach „unten“.
Wir erleben gerade, wie eine Gesellschaft und Wirtschaftsordnung sich auf Spekulationen stürzt, weil das Geld keine langfristigen Innovationen findet. Selbst der erste Schock, den wir 2008 hatten, half (noch) nicht Sichtweisen grundlegend zu verändern. Der herrschende Verdrängungswettbewerb verändert allerdings schon das Individualverhalten vieler Mitarbeiter: sie sind weniger krank, kümmern sich persönlich mehr um Fortbildung und lassen sich leichter „motivieren“. Sprich, sie verhalten sich wie ein Großteil der Unternehmen, die Existenzängste haben und mit allen Mitteln versuchen, zu denen zu gehören, die am Markt bleiben. Auf der Strecke bleibt das Sozialverhalten, das Vertrauen, die langfristige Zuverlässigkeit und der Glaube, dass es genügend Arbeit gibt.
Doch Arbeit werden wir genug haben. Arbeit heißt Probleme lösen. Ein Ende von Arbeit wird es nicht geben, wohl aber einen Wandel der Tätigkeiten. Dieser Wandel wird von dem Faktum begleitet, dass Informationen immer spezialisierter sind. Nur Teams können spezialisiertes Wissen gewinnbringend zusammenführen.
Dafür benötigen wir Menschen, die interdisziplinär denken und arbeiten können. Menschen, die es verstehen, ihre und die Kräfte der anderen nicht im Konkurrenzdenken der eigenen Organisation zu vernichten. Zielgerichtete Sozialkompetenz wird der Schlüssel zum Erfolg sein. Wir brauchen Mitarbeiter, die das Wohl des Kunden über den kurzfristigen Erfolg setzen. Wir werden Unternehmen als Sieger erleben, die es schaffen, durch Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Au-thentizität Kunden langfristig an sich zu binden. Zufriedene Kunden werden für diese Unternehmen weitere Kunden gewinnen. Das eigentliche Produkt wird – auch bei Nichtmarkenunternehmen – in den Hintergrund treten. Das Erfolg bringende Produkt eines Unternehmens werden die Fähigkeiten der Mitarbeiter sein, sich auf den Kunden und seine Wünsche einzustellen – und dies besser als der Wettbewerb.
Das klingt banal, ist es aber nicht. Nur wenige Unternehmen der Möbelbranche – Handel wie Industrie – haben ein Wertesystem, das als Grundlage für die Personalentwicklung und Personalneueinstellung allen Mitarbeitern bewusst ist. Langfristigen Erfolg werden die Unternehmen erreichen, die mehr als Kundenbindung erreichen. Langfristigen Erfolg gibt es nur mit Mitarbeitern, die diese Kundenbindung durch Kooperation mit anderen Mitarbeitern stets zusammen gestalten. So wird gewährleistet, dass das Know-how des Unternehmens die Kunden erreicht. In flach organisierten Unternehmen sind Informationen an vielen Stellen hoch spezialisiert vorhanden. Die Fähigkeit, diese Informationen in Leistungen zu verwandeln, wird besonders Firmen gelingen, die eine stabile soziale Einheit bilden.
Gestalten, Führen und Verkaufen wird immer mehr zur Informationsarbeit. Das Produkt verliert, die Kommunikation gewinnt an Bedeutung. Authentizität der Personen und der Firmen sind elementar. Eine Kette der Zufriedenheit bei Herstellern, Händlern und Verbrauchern wird langfristig den Verdrängungswettbewerb über den Preis ablösen können. Um dies gestalten zu können, werden wir die dafür geeigneten Menschen mit hoher sozialer Kompetenz und starkem Integrationsvermögen für Sie suchen.
Lassen Sie uns gemeinsam die Zukunft gestalten – mit Menschen, die den Unterschied machen.
Ihr Thaddäus Rohrer
www.rohrer.de