Karrierecenter

Fluktuation und Tabellenstand

Die abgelaufene Spielzeit in der Fussball-Bundesliga zeigte beispielhaft, wie Vereine, die ihr Personal nicht langfristig binden konnten, im Laufe der Saison die spielerische Linie und letztlich den Erfolg aus den Augen verloren. So verließen den Hamburger Sportverein vor Saisonbeginn entscheidende Leistungsträger wie Rafael van der Vaart, Nigel de Jong und Vincent Kompany; die Mannschaft spielte lange Zeit vorne mit, aber nur mit großen Anstrengungen und viel Glück wurde am letzten Spieltag die Teilnahme am lukrativen internationalen Geschäft sichergestellt.

Parallelen lassen sich ohne Weiteres zu Wirtschaftsunternehmen ziehen. Auch hier entscheiden die besten Spieler, sprich Mitarbeiter über den Erfolg. In einer Studie stellten die Berater von Hewitt Associates GmbH einen direkten, messbaren Zusammenhang zwischen der Bindung „erfolgskritischer“ Mitarbeiter an ein Unternehmen und dessen wirtschaftlichen Ergebnissen fest. Damit gilt: Je besser es gelingt, den Abgang von Leistungsträgern zu vermeiden, umso profitabler entwickelt sich das Unternehmen.

Trend ist, dass die Wechselbereitschaft von Mitarbeitern zunimmt. In konjunkturellen AbschwungsPhasen ist das für die Arbeitgeber relativ unproblematisch. Es sind ausreichend Bewerber auf dem Arbeitsmarkt vorhanden und die Fluktuation wird als gegeben in Kauf genommen. Die demographische Entwicklung spricht hingegen eine andere Sprache und deutet auf ein verringertes Angebot an Arbeitskräften hin. In einigen Sektoren des Möbelhandels werden schon lange Engpässe beklagt, wie beispielsweise bei qualifizierten Küchenfachberater/innen.

Unabhängig von der Konjunktur entwickeln sich Marktstrukturen und Wettbewerb derart, dass nicht die Warenpräsentation, die Werbeaktivitäten oder die Preisgestaltung den Ausschlag für den Kaufabschluss im Möbelhandel geben, sondern die Mitarbeiter. Dabei geht es nicht nur um diejenigen im Verkauf, sondern um alle in der gesamten Prozesskette: in der Sachbearbeitung, im Kundendienst und in der Auslieferung. Will man im Wettbewerb bestehen und profitablen Handel betreiben, kommt dem Faktor Personal somit eine zentrale Bedeutung zu.

Im Vordergrund steht die Bindung von Leistungsträgern an das Unternehmen; das sind zunächst die Führungskräfte. Diese sorgen dafür, dass auch die Top-Einrichtungsberater/innen, die zuverlässigen Monteure und die erfolgreichen Kundendienstmitarbeiter/innen im Unternehmen bleiben. Ob man für die Spitzenkräfte ein hinreichend attraktiver Arbeitgeber ist, lässt sich durchaus an einigen Kennzahlen festmachen: an der Zahl der eingehenden Bewerbungen, an der erfolgreichen Gewinnung von Talenten und Leistungsträgern, an der Zahl der unbesetzten Stellen und an der Höhe der aufgewandten Rekrutierungskosten. Wird die Fluktuation in den sensiblen Bereichen erkannt und für kritisch befunden, gilt es, die Faktoren zu untersuchen, die für die Bindung der Leistungsträger ans Unternehmen maßgeblich sind.

Als harte Faktoren gelten die Flexibilität der Arbeitszeiten, die Arbeitsbelastung, die sichere Vergütung und der attraktive Standort. Die weichen und noch wichtigeren Faktoren sind hingegen persönliche Entwicklungsmöglichkeiten, langfristige Perspektiven und Aufstiegschancen sowie Weiterbildungsangebote; außerdem spielen verantwortungsvolle Tätigkeiten, Leistungsbezug beim Einkommen und das Ansehen des Arbeitgebers im Markt eine Rolle.

Ausgangspunkt ist die Unternehmenskultur, die als kommunikativ und integrativ empfunden werden muss. Dazu gehören Akzeptanz, Einbeziehung, Kollegialität und Wertschätzung, die insbesondere von den Führungskräften glaubhaft verkörpert werden müssen. Diesen Bedürfnissen kann Rechnung getragen werden durch offene Türen, regelmäßige Gesprächsangebote, Teamorientierung, gemeinsame Veranstaltungen, durchlässige Kommunikation von Unternehmenszielen und Aktionen sowie Identifikation durch Teilhabe an der Unternehmensentwicklung.
Wird die berufliche Tätigkeit als Teil einer ausgeglichenen Work-Life-Balance empfunden, entsteht eine belastbare Bindung an das Unternehmen. Die Arbeit wird als Erfüllung und nicht als Gegensatz zum besseren Teil des Lebens, der Freizeit, empfunden.

Diesem Anspruch gegenüber muss der Möbelhandel alltäglich unter hohem Wettbewerbs- und Kostendruck und bei allzu ausgedehnten Öffnungszeiten sein Personal organisieren, die Präsenz auf der Fläche sicherstellen und den Verkauf effizient steuern. Die Herausforderung liegt sicher darin, unter schwierigen Bedingungen die Mitarbeiterbindung zu optimieren. Eine gewisse Wechselquote ist übrigens als ganz normal einzukalkulieren; entwicklungsfähige und ehrgeizige Führungskräfte sollten ihre Fähigkeiten und Potenziale auch unter unterschiedlichen Bedingungen bzw. in anderen Firmen unter Beweis gestellt und gezielt Veränderungen im Rahmen der Karriereplanung angestrebt haben.
Mit einer langfristig an das Unternehmen gebundenen und kontinuierlich entwickelten Mannschaft – dabei geht es nicht zwangsläufig um überteuert eingekaufte Spitzenspieler oder Trainer – wird man auch im Handel auf den vorderen Rängen der Bundesliga-Tabelle mitspielen.

In Kooperation mit Thaddäus Rohrer Unternehmensberatung www.rohrer.de

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